Hier kommen Sie zurück zur vorhergehenden SeiteOra et labora – Klosterleben in der Neustadt

Mitten in der Neustadt leben sie und doch sind sie und ihr Leben vielen Neustädtern fremd. Die Rede ist von den Dominikanern an St. Bonifaz. Was so hinter der Klostertür vor sich geht und warum ein junger Mensch heutzutage auf die Idee kommt ins Kloster zu gehen stand Frater Uwe Augustinus dem Neustadt – Anzeiger Rede und Antwort.

NA: Frater Uwe Augustinus was hat sie bewogen ins Kloster zu gehen?

Frater Uwe: Das ist eine Frage, die mir am Beginn meines Ordenslebens, und dieser liegt nun gerade mal knapp 2 Jahre zurück, häufiger gestellt wurde. Es ist die Frage nach dem, was die Kirche traditionell als Berufung bezeichnet. Es ist die Frage nach dem Platz, an dem Gott mich gerne sehen möchte, den er für mich vorgesehen hat. Und wenn jemand für sich entscheidet, in einer Ordensgemeinschaft zu leben, dann weiß er, dass genau dies die richtige Lebensform für ihn ist. Für mich persönlich ist das zunächst einmal eine Beziehungsfrage. Es ist die Entscheidung für ein Leben in der Gemeinschaft mit Brüdern, es ist aber sicher an erster Stelle die Entscheidung für eine sehr enge Gottesbeziehung, die gelebt und gestaltet sein will. Ich denke, es ist wichtig, sich bewusst DAFÜR zu entscheiden. Man muss also positiv motiviert sein. Das ist, glaube ich, ein Stück weit vergleichbar beispielsweise mit einer Eheschließung. Auch da entscheidet man sich ganz bewusst für ein Leben in der Partnerschaft mit genau diesem Menschen und keinem anderen.

Und so in etwa war es auch bei mir. Nach dem Studium und der langjähriger beruflichen Tätigkeit im Bereich von Kunst und Kultur wollte ich mehr. Denn obwohl ich einen sehr schönen, anspruchsvollen Beruf ausüben durfte, blieb etwas unerfüllt. Es war so, als ob ich eine mir gestellte Aufgabe nicht richtig erledigen würde. Am Ende eines längeren Klärungsprozesses habe ich dann mit dem Eintritt in den Orden die notwendige Konsequenz gezogen. Katharina von Siena, eine unserer großen dominikanischen Ordensheiligen, drückt es sinngemäß einmal so aus: „Wenn der Beter erkennt, wie sehr Gott uns Menschen liebt, dann muss man reagieren und sich ihm wirklich und ganz zuwenden.“ Und genau dies, denke ich, kann man in der klösterlichen Lebensform nach wie vor ausgezeichnet tun.

NA: Weshalb haben Sie sich für den Dominikanerorden entschieden und wie wird man eigentlich Dominikaner?

Frater Uwe: Die Bezeichnung Dominikanerorden ist erst im Verlauf der Geschichte üblich geworden. Unser Ordensvater, der Hl. Dominikus, übrigens ein Spanier, ruft vor mehr als 700 Jahren genau genommen den Orden der Predigerbrüder ins Leben:

Ordo fratrum Praedicatorum. Die Abkürzung ist „OP“, und so werden wir mitunter umgangssprachlich heute manchmal als „OPs“ bezeichnet. Der Name ist im Grunde genommen auch schon Programm. Wir sind also Predigerbrüder, die den Menschen das Wort Gottes verkündigen. Das kann bei der Kanzelpredigt im Gottesdienst, aber auch bei der Arbeit als Religionslehrer in der Schule, bei der redaktionellen Arbeit in einer Fernseh- oder Nachrichtenanstalt sein und vieles mehr. Dieses Sprechen von und über Gott ist es, was mich persönlich am Predigerorden begeistert. Dazu muss man natürlich eine Menge wissen, und deshalb benötigt jeder Ordensmann eine solide wissenschaftliche Ausbildung. Wir studieren also Theologie, Philosophie und im Grunde genommen alles, was nützlich sein kann, Gottes Wort gut unter die Menschen zu bringen.

Und damit spreche ich auch schon den Weg in den Dominikanerorden an. Dies geschieht nämlich in einer mehrjährigen Ausbildung. Man beginnt mit dem 6-monatigen Postulat, woran sich das 1-jährige Noviziat anschließend. In dieser Zeit lebt man mit den Brüdern in der Gemeinschaft zusammen, man lernt das Gebetsleben und verschiedene Arbeitsbereiche des Ordens kennen. Man bekommt auch Unterricht in Ordensgeschichte, Liturgie usw. Der Kandidat und die Brüder vor Ort schauen in dieser Zeit, ob die Lebensform als Dominikaner tatsächlich das Richtige für den Interessenten ist. Nach Ablegung der einfachen Profess beginnt das Studium der Theologie und Philosophie an der Universität. Und eben damit habe ich im März an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz begonnen. In aller Regel legt man nach ca. 5-6 Jahren das Diplom ab und es folgt das Pastoraljahr im Hinblick auf die weitere Ausbildung zum Priester. Am Ende dieses Weges steht dann die Priesterweihe und damit der Start in den „Beruf“ als Prediger im Dominikanerorden.

NA: Was unterscheidet den Dominikanerorden von anderen Orden wie z.B. den Benediktinern?

Frater Uwe: Das ist ein weites Feld, um mit Theodor Fontane zu sprechen. Die heutige Ordenslandschaft in ihren vielfältigen Erscheinungen ist über die Jahrhunderte entstanden und wird sich, so Gott will, auch zukünftig weiter entwickeln, gemäß den Erfordernissen der jeweiligen Zeit. Ganz grob gesprochen kann man sagen, dass wir Dominikaner mit dem Predigtwerk sehr stark seelsorglich orientiert sind. Wir sind also keine in der Einsamkeit lebenden Mönche, so wie sich beispielsweise die Benediktiner oder Zisterzienser von ihrem Gründungsauftrag her verstehen. Unsere Klöster sind in aller Regel in den Städten beheimatet, so dass wir mitten unter den Menschen leben. Wir sind auch nicht auf ein bestimmtes Kloster verpflichtet, treten also in keine Abtei ein, wie das etwa bei den Benediktinern der Fall ist. Gemäß den Erfordernissen können wir im Grunde genommen weltweit tätig und für die Menschen da sein. Das bekommen auch unsere Gemeindemitglieder hier in St. Bonifaz mit, wenn Brüder neu zu uns kommen bzw. Brüder versetzt werden.

NA: Viele Menschen haben heutzutage keine oder nur defuse Vorstellungen über das Leben in einem Kloster. Zu diesen defusen Vorstellungen gehört, dass Ordensleute den ganzen Tag beten und sich abends in ihrer Zelle einschließen.

Daher möchte ich Sie fragen wie ihr Tagesablauf aussieht und wie sie wohnen?

Frater Uwe: Das ist wohl ein weit verbreitetes ein Vorurteil, dass generell so nicht zutrifft. Und doch ist ein Kern Wahrheit daran. Wie ich bereits erwähnte, sind wir Dominikaner seelsorglich tätig. Und das bedeutet Umgang und Arbeit mit den Menschen vor Ort. Man hat also ständig Kontakt. Das ist die eine Seite. Andererseits müssen natürlich auch wir unsere „Batterien gelegentlich aufladen“. Das tun wir beim persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet, im Studium, aber auch bei ganz profanen Dingen. Wir treiben Sport, besuchen Theater- und Kinoveranstaltungen, treffen uns mit Freunden und Bekannten usw.  Konkret sieht ein typischer Tagesablauf bei mir so aus, dass ich gegen 6.00 Uhr aufstehe, frühstücke und um 7.30 Uhr an der ersten Gebetszeit, der Laudes, teilnehme. Anschließend fahre ich mit dem Fahrrad zur Uni, wo ich häufig den Großteil des Tages verbringe. Das Mittagessen nehme ich entweder im Kloster oder in der Uni-Mensa ein. Abends feiern wir hier in St. Bonifaz die Hl. Messe und daran schließt sich das gemeinschaftliche Abendgebet, die Vesper, an. Und dann ist im Grunde genommen Freizeit angesagt. Häufig muss ich aber noch für die Uni lernen, so dass fürs Fernsehen usw. kaum Zeit bleibt.

NA: Was hat es mit der Ordenskleidung, dem Habit auf sich?

Müssen Sie den immer tragen oder dürfen sie auch mal in Jeans und T- Shirt rumlaufen?

Frater Uwe: Der Habit ist das Ordenskleid der Dominikaner, so wie die Brüder ihn seit Jahrhunderten tragen. Beinahe jeder katholische Orden hat seine spezifische Kleidung. Nach unseren Satzungen tragen wir den Habit als Zeichen der uns eigenen dominikanischen Lebensweise. Wir machen damit für uns und unsere Mitmenschen äußerlich erkennbar deutlich, dass wir zur Gemeinschaft der Predigerbrüder gehören. Damit geht aber keine Gleichmacherei einher, denn die individuelle Persönlichkeit jedes einzelnen Bruders bleibt selbstverständlich gewahrt. Und dennoch weiß man allein schon durch das Tragen des Habits, wer wir sind, wofür wir stehen und was unsere Aufgabe ist. Ich denke, dass ist nach wie vor eine sehr gute Sache.

NA: Als Ordensmann haben sie Gehorsam versprochen. Wie ist dies zu verstehen?

Frater Uwe: Das ist richtig. Der Gehorsam ist, ich möchte sagen, das zentrale Gelübde in unserem Orden. Es ist tatsächlich so, dass wir den Oberen unseres Ordens den Gehorsam versprechen. Ich selbst habe damit noch keine problematischen Situationen erlebt. Im richtigen Verständnis geht es ja beim Gehorsam um Kommunikation, also um vernünftig gelebte zwischenmenschliche Beziehung. Das meint nichts anderes, als dass man aufeinander hören soll. Die Brüder sollen die eigene und die Vorstellung des anderen ernst nehmen. Und Hören im weiteren Sinne tut der Mensch ja nicht nur mit dem Ohr allein, sondern das ist eine ganzheitlich sinnliche Angelegenheit. Wir „Hören“ mit den Augen und mit dem Herzen auf das, was Gott uns manchmal auch durch den Mitmenschen sagen will. Und dann ist es doch recht schön, sich auf das „Gehörte“ des anderen einzulassen, denn vielleicht „hört“ er ja besser als ich, und dann sollte ich tunlichst „hinhorchen“ und auch gehorchen, weil es für mich gut ist im Sinne dessen, was Gott von mir will. Und der will immer das Gute für uns.

NA: Wie ist das mit dem Geld im Kloster?

Frater Uwe: Ja die Sache mit dem Geld. Danach fragen unsere Besucher bei den Klosterführungen häufig. Aber das Thema ist längst nicht so spektakulär, wie man meinen möchte. Natürlich stehen Geld und Konsum bei uns nicht im Lebensmittelpunkt. Die radikale Armut ist aber auch nicht typisch dominikanisch. Das, was der Einzelne zum Leben braucht, bekommt er auch. Und vielmehr kann ich dazu auch nicht sagen. Wir Dominikaner leben auch hier ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit für uns selbst und für die Gemeinschaft. Also muss der Einzelne auch beim Geld schauen, was für ihn persönlich und darüber hinaus für das Wohl der Gemeinschaft gut ist im Sinne des Evangeliums und der Nachfolge Christi. Denn dafür sind wir als Ordenschristen ja angetreten. Alles Weitere ergibt sich daraus.

Frater Uwe Augustinus danke für das Interview.