Seite 1 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Sperrmüllbrennpunkt Mainzer Neustadt
Straßen werden achtlos verschmutzt

(oll) Er ist bereits seit einigen Jahren ein Problem. Schilder werden aufgestellt, Infoflyer verteilt und eine „Umweltstreife“ eingerichtet.Trotzdem liegt er immer wieder an Straßenecken und auf Grünflächen: der Sperrmüll. Es ist kein schöner Anblick, wenn der Gehweg von zersplitterten Schrankwänden und alten Matratzen versperrt wird. Passanten und Radfahrer müssen auf die Straße ausweichen. Kinder könnten auf die Idee kommen, dort zu spielen, und sich an herausstehenden Nägeln verletzen oder an Scherben von kaputten Bildschirmen schneiden. Meistens fängt es klein an, einige Teile werden an einer Hauswand abgestellt, nach Tagen werden daraus Müllberge, die das Stadtbild verschandeln.

Bis zu vier mal im Jahr kostenfreie Abholung
Für Thomas Strack, Abfallberater der Entsorgungsbetriebe der Stadt Mainz, ist nicht nachvollziehbar, warum sich ausgerechnet in der Neustadt so viel unangemeldeter Sperrmüll ansammelt. Immerhin kann man in Mainz pro Haushalt bis zu vier mal im Jahr kostenlos Sperrmüll anmelden. Unter der Nummer 06131 123434 kann man einen Termin vereinbaren und die sperrigen Abfälle abholen lassen. Noch einfacher geht es über die Homepage der Entsorgungsbetriebe oder per Mail. „Sie schreiben eine Mail oder tätigen einen Anruf. Das macht doch heute jeder. Und dann wird alles einfach unproblematisch abgeholt“, so Strack zum Procedere bei der Sperrmüllanmeldung.



Auf Streife in der Neustadt
Die „Umweltstreife“ unterstützt Thomas Strack bei seiner Arbeit. Das sind zwei Mitarbeiter, die durch die Stadt fahren und kontrollieren, wo Müll oder Sperrmüll entsorgt wurde, der nicht angemeldet ist. Problematisch sind sperrige Abfälle sowie Hausmüll, der neben, statt in den Tonnen abgestellt wird, oder Sondermüll, den man achtlos an Straßenecken entsorgt. In der Neustadt gibt es einige Stellen, an denen immer wieder Müll abgeladen wird. Sie sind der „Umweltstreife“ bereits bekannt. Legal ist diese Art der Müllentsorgung nicht. Sperrmüll muss angemeldet werden. Sondermüll ist zu den entsprechenden Wertstoffhöfen zu bringen. Beides ist kostenlos. Für die Stadt entstehen durch die unsachgemäße Entsorgung hohe zusätzliche Kosten, die vermeidbar wären. Wer von der „Umweltstreife“ erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen. Dabei ist „die Hürde eigentlich so flach in Mainz, den Sperrmüll ordnungsgemäß zu entsorgen“, sagt Thomas Strack.

Zum Sperrmüll gehören zum Beispiel alle Möbel wie Betten, Matratzen und Schränke sowie große Elektrogeräte (ab 40 cm x 40 cm x 20 cm) wie Fernsehgeräte, Herde, Kühlschränke und Waschmaschinen. Was zum Sperrmüll gehört, kann man auf der Homepage der Entsorgungsbetriebe nachlesen. „Wenn der Sperrmüll mehr als drei Tage liegt, dann ist er in der Regel nicht angemeldet. Rufen Sie bei uns an und informieren sie uns“, appelliert Thomas Strack an die Bewohnerinnen und Bewohner der Neustadt. „Die ordnungsgemäße Entsorgung von Sperrmüll ist bei uns so einfach, dass solche Müll-Bilder nicht sein müssen.“

Sperrmüll

Hotline: 06131 123434

Selbst abladen:
Recyclinghof im Entsorgungszentrum der
Stadt Mainz in Budenheim
Schwarzenbergweg 1
Seit 6. Juli 2020: Mo. – Sa.: 10 – 17 Uhr
Recyclinghof Süd, Mainz-Hechtsheim
Emy-Roeder-Straße 15
(wegen Umbau bis Frühjahr 2021 geschlossen)
Wertstoffhof Neustadt

Zwerchallee, unter der Hochbrücke

Mo, Di: 10-17 Uhr
Mi: 8-12 Uhr
Do, Fr, Sa: 10-17 Uhr

Wertstoffhofübliche Abfälle, Leuchtstoffröhren, Hartkunststoffe, E-Schrott (NICHT: Klimageräte,  Kühlschränke, Bildschirme, Monitore, Photovoltaikmodule!)
+
als kostenpflichtige Abfälle:
Baustellenabfälle (inkl. Flachglas), Bauschutt auf Gipsbasis, Rigips,  Altholz (AI-AIII), mineralischer Bauschutt, Bodenaushub (bis Z2)
Wertstoffhöfe

Bretzenheim
Am Ostergraben (hinter den Tennisplätzen)
Drais
Daniel-Brendel-Straße/
Ecke Carl-Zuckmayer-Straße
Finthen
Waldthausenstraße (Bezirkssportanlage)
Marienborn
Altkönigstr., an der Sportanlage (parallel zur A 63)
Öffnungszeiten dieser Wertstoffhöfe
Mi. 13 – 17 Uhr*, Fr. 13 – 17 Uhr* und
Sa. 10 – 17 Uhr*

Ebersheim
(kein Glas, kein Papier, keine Kartonage, keine Gelben Säcke)
Dresdener Straße
Hartenberg/Münchfeld
Dr.-Martin-Luther-King-Weg
(Parkplatz am alten Stadion)
Laubenheim
Parkstraße
Lerchenberg
Lortzingstraße
Öffnungszeiten dieser Wertstoffhöfe
Di. 8 – 13 Uhr, Fr. 13 – 17 Uhr*
und Sa. 10 – 17 Uhr*

* Vom 1. März bis 31. Oktober haben die Wertstoffhöfe bis 18 Uhr geöffnet

Projekt „We kehr for us“
Jürgen Schmidt setzt sich mit seiner privaten Müllsammelaktion für eine sauberere Neustadt ein.

Neustadt-Anzeiger: Seit wann gibt es das Projekt und wie bist du auf die Idee gekommen?
Jürgen Schmidt: Das Projekt „We kehr for us“ gibt es seit 2017. Ich selbst lebe seit 2010 in der Neustadt. Mich hat es immer aufgeregt wie die Menschen feiern, was sie alles hinterlassen z.B. Flaschen, Taschentücher, Zigarettenstummel etc.. Dann habe ich mir damals von einer Freundin zu Weihnachten einen Müllgreifer gewünscht. „Ich möchte gerne rundgehen und den Müll aufsammeln, einfach nur ein bisschen sauber machen“, meinte ich zu ihr.

Wie viele Teilnehmer gibt es bei dem Projekt bzw. wie viele Leute sind regelmäßig bei Müllsammelaktionen dabei?
Schmidt: Es wird ein privater Rundruf unter Freunden oder auch mal ein Aufruf via Facebook gestartet. Wer mitmachen möchte, kommt einfach vorbei. Es ist auch eine Form von Gemeinschaft. Die Leute, die Interesse daran haben, die finden sich dann. „We kehr for us“ ist leise, nicht laut. Wir wollen uns auch nicht wichtig machen. Wir sind einfach nur Leute, die das Gefühl haben, dass was gemacht werden muss für unsere Umwelt. Zu unseren regelmäßigen Aktionen: Am 9. November jährte sich wieder die Reichspogromnacht. Seit drei Jahren reinigen wir vor dem 9. November die Stolpersteine der Neustadt und legen dort auch ein paar Blumen nieder.



Auf eurer Facebook-Seite sagt ihr, „Wir wollen nicht erziehen, auch nicht Müllpolizei spielen, wir räumen einfach unser Lieblingsviertel auf…“
Schmidt: Wir wollen nicht nur im kleinen Kreis, wenn wir Zeit und Lust haben, die Neustadt etwas entmüllen, sondern auch Leute animieren, ihren Müll mitzunehmen bzw. ordentlich zu entsorgen. Wir werden darauf angesprochen, was wir denn machen. Dann erklären wir dies. Einige werden so vielleicht aufmerksamer und schließen sich uns oder einem anderen Umweltprojekt an.

Wie siehst du die aktuelle Müllsituation in der Neustadt, hast du da ein Beispiel?
Schmidt: Generell gibt es definitiv zu wenig Mülleimer in der Neustadt. Ein Beispiel wäre die Situation am Rhein, wie z.B. an der Treppe der Caponniere: Auf der rechten Seite ist ein Mülleimer vorhanden, auf der linken Seite leider nicht. Die Leute scheinen einfach zu faul zu sein, ihren Müll auf der rechten Seite im Mülleimer zu entsorgen. Der Müll stapelt sich dann einfach auf der linken Seite. Es wäre schön, wenn hier mal was passieren würde, auch von Seiten der Stadt Mainz.

Liebe Leser/innen, wenn ihr Fragen habt, weitere Informationen zu diesem tollen Umweltprojekt benötigt oder gerne mitmachen möchtet, dann meldet euch bei Jürgen Schmidt via
E-Mail: higherblue@hotmail.com oder via Facebook über die Seite Mainz-Neustadt „We kehr for us“.

Mit Jürgen Schmidt sprach unser Redaktionsmitglied Melanie Klabunde.


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