Seite 1 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Die Neustadt knackt die 30.000er-Marke
Chancen und Herausforderungen für unseren Stadtteil

(rs) Die Neustadt wächst und wächst: Im Oktober konnten Oberbürgermeister Nino Haase und Ortsvorsteher Christoph Hand die 30.000ste Einwohnerin offiziell willkommen heißen. Wir sprachen mit Christoph Hand darüber, wie sich der Stadtteil in den letzten Jahren verändert hat und was die steigenden Einwohnerzahlen bedeuten.

„Bei meinem Amtsantritt 2019 hätte ich zwar vermutet, dass wir die 30.000er Grenze aufgrund der vielen Neubauprojekte in den nächsten Jahren knacken würden“, sagt Hand, „aber in der Pandemiezeit gab es dann viele Wegzüge. Daher war ich jetzt doch überrascht.“ Denn mittlerweile ist die Neustadt wieder ein begehrter Ort für Studierende und Familien zum Arbeiten und Leben geworden.

Was macht die Neustadt so attraktiv? Hand betont den fast dörflichen Charakter: „Hier geht es sehr nachbarschaftlich zu. Wenn man unterwegs ist, trifft man schnell jemanden, den man kennt.“ Auch sei alles sehr zentral gelegen, die Wege zu Schulen, Kitas oder Fachärzten kurz und es gebe viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und zum Ausgehen. „Die Vielfalt an Außengastronomie gibt es so nur in der Neustadt.“

Auch schätze er das rege Vereinsleben vom Rollschuhverein über den SV Goethe bis zu den Mainzer Füchsen. „Ehrenamtliches Engagement ist enorm wichtig, und das wird hier gelebt.“

Nicht günstig, dafür lebenswert“
In den letzten Jahren wurde die Neustadt massiv umgestaltet.

Der verstärkte Zuzug war nur durch die vielen neu entstandenen Wohnungen möglich. „Mit den Baumaßnahmen am neuen Karoline-Stern-Platz und entlang der Wallaustraße wurde viel Wohnraum geschaffen. Dazu kamen die Bebauung von Hinterhöfen und die Aufstockung von Häusern.“

Die wachsende Attraktivität des Stadtteils macht sich auch in steigenden Mieten bemerkbar. Nicht jede:r kann es sich leisten, hier zu wohnen. Diese Gentrifizierung hält Christoph Hand aber nicht für problematisch. „Die Gehälter steigen ja schließlich auch“, meint er. „Die Neustadt ist ein attraktiver Stadtteil, da regeln Angebot und Nachfrage den Preis.“ Er ist davon überzeugt, dass der Anteil von gefördertem Wohnraum bei den neueren Bauprojekten soziale Härten abfedert. Das Stadtleben, sagt er, sei „nicht günstig, dafür lebenswert“.

Der Goetheplatz ist die neue Mitte“
Die Freizeitangebote wurden ebenfalls erweitert, etwa die Anzahl der öffentlichen Tischtennisplatten, die bei Spieler:innen unterschiedlicher Niveaus hoch im Kurs stehen. Selbst wenn die Plätze an der Platte mal knapp werden, weiß Christoph Hand aus eigener Erfahrung: „Beim Rundlauf lernt man sich gleich gut kennen.“ Auch die neue Calisthenics-Anlage am Goetheplatz erfreue sich großer Beliebtheit, so Hand. Der Platz hat sich mittlerweile zu einem bedeutenden Spiel-, Sport- und Erholungsraum für die Bürger:innen entwickelt. „Der Goetheplatz ist die neue Mitte der Neustadt geworden.“

Auch in Sachen Mobilität hat sich viel getan. Besonders stolz ist Hand, selbst überzeugter Radfahrer, auf die neue Fahrradkultur. „Das hätte sich vor vier Jahren niemand träumen lassen!“ Die Hindenburgstraße und seit kurzem auch die Moltkestraße wurden zu Fahrradstraßen erklärt; hier dürfen Radfahrer nebeneinander fahren, und Autos sind nur „zu Gast“. Neben den MVG-Leihrädern stehen den Bürger:innen auch vier Lastenräder kostenlos zur Verfügung, die Registrierung erfolgt über eine App. Schon heute wird ein Viertel aller Wege innerhalb des Mainzer Stadtgebietes mit dem Rad zurückgelegt, in der Neustadt sind es vermutlich noch mehr. Wer auf den PKW nicht verzichten möchte, für den wurden die Carsharing-Stellplätze von einem auf 25 erhöht.

„Man muss erst die Angebote schaffen, dann werden sie auch genutzt“, betont der Ortsvorsteher. Das gelte auch für die umgestaltete Boppstraße. „Das Projekt wurde anfangs mit Argusaugen beobachtet und wird nun sehr gut angenommen.“

Die Nahversorgung muss mitwachsen“
Die Neustadt ist der mit Abstand größte und am dichtesten besiedelte Stadtteil von Mainz. Dieses schnelle Wachstum bringt auch Herausforderungen mit sich. „Die Nahversorgung muss auch mitwachsen“, erklärt Hand. Insbesondere müsse die soziale Infrastruktur für Kinder und ältere Menschen weiter ausgebaut werden. Und selbst in der Kneipe finde man oft an Freitag- oder Samstagabenden keinen Platz mehr.

Hier leben sehr unterschiedliche Menschen auf engem Raum zusammen. „Da prallen verschiedenste Lebensmodelle aufeinander. Das erfordert Toleranz.“ Genau das, davon ist er überzeugt, „funktioniert hier im Großen und Ganzen gut“.

Mit Blick auf das kommende Jahr freut sich Christoph Hand besonders auf die Wiedereröffnung des Neustadtzentrums und auf die Neugestaltung des Bonifaziusplatzes, dem „Entree zur Neustadt“. „Das ist nur möglich, weil die katholische Pfarrei St. Bonifaz einen Teil ihrer Fläche der Allgemeinheit für Grünflächen zur Verfügung stellt. Das wird richtig gut!“

Die Neugestaltung des Straßenzugs am Hauptbahnhof ist ein weiterer Schritt in der Modernisierung des Mainzer Stadtteils. Auch die vielfältige Kulturszene, ein abwechslungsreiches Gastronomieangebot, das lebendige Rheinufer und über 50 aktive Vereine tragen dazu bei, dass sich hier so viele Menschen zu Hause fühlen. Das hätte sich Stadtbaumeister Eduard Kreyßig so bestimmt nicht träumen lassen, als er die Neustadt vor über 150 Jahren gegründet hat.

Die 30.000ste Einwohnerin hat neben einem Blumenstrauß übrigens auch einen Gutschein für eine historische Stadtteilführung überreicht bekommen. Bei solchen Führungen fällt Hand immer wieder auf, dass auch ehemalige Neustadt-Bewohner:innen teilnehmen, die von weit her anreisen. „Wer schon mal hier gewohnt hat, kommt gerne wieder!“

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