Seite 1 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Januar 2020
Sie können den Mainzer Neustadt-Anzeiger als PDF herunterladen. Bitte Bild anklicken

Mehr als nur Wohnen
Einzug in das etwas andere Wohnprojekt „Queer im Quartier“
Leben mit gleichgesinnten, toleranten, offenen Menschen. Das ist die Idee von „Queer im Quartier“ – dem neuen Wohnprojekt eines 2017 eigens dafür gegründeten Vereins in der nördlichen Neustadt. Der Einzug ist für Februar angesetzt. Das Ziel: ein selbstbestimmtes Leben in jedem Alter und die Gemeinschaft in einer „queer“ geprägten, für alle offenen Gruppe.



(cko) Der englische Begriff „queer“ wird oft im Zusammenhang mit Lesben, Schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen verwendet. Und so bunt ist auch der Verein in der nördlichen Neustadt, der in einem neuen Objekt der Wohnbau 22 Wohnungen angemietet hat, um dort in lebendiger Nachbarschaft gemeinsam, aber ebenso eigenständig zu leben. „Das Wohnprojekt ist queer-freundlich, aber offen für alle und würde sich generations-übergreifendes Wohnen wünschen“, so die Prämisse des Vereins „Queer im Quartier“.
Einziehen werden 32 Menschen, die sich gegenseitig nachbarschaftlich unterstützen und sich auch in ihrem neuen Quartier ehrenamtlich einbringen wollen – diese Bereitschaft ist die Voraussetzung für den Einzug. Wie genau sie sich engagieren werden, das sei noch offen, „ob das eine Baumpatenschaft, die Organisation eines Straßenfestes oder ein Engagement in der Kommissbrotbäckerei  ist“,  sagt  Joachim Schulte, der den Verein gemeinsam mit Andrea
Acker gegründet hat.

Es soll endlich losgehen
Schulte spricht ganz euphorisch von „großer Erwartungsstimmung – alle sind ganz fiebrig und haben Lust“, dass es nun endlich losgeht. Angefangen hatte alles mit einer ganz groben Idee von gemeinsamem Wohnen. Nachdem erste Gleichgesinnte gefunden waren, wurden die Planungen konkreter. Und es stand fest: das Ganze müsse in der Neustadt entstehen! „Das war das Viertel, in dem wir uns das vorstellen konnten. Die Neustadt ist lebendig, es ist Platz, es gibt kulturelle Angebote und hier leben sehr aktive Leute“, erinnert sich Joachim Schulte. Viele wohnten auch vorher schon in der Neustadt. Aus anfangs sieben wurden schnell mehr Gleichgesinnte und mit ihrer Anfrage bei der Mainzer Wohnbau hätten sie dann offene Türen eingerannt. Dort habe man schon gute Erfahrungen mit einem ähnlichen Projekt auf dem Hartenberg gemacht: „VIS-a-VIS“ bietet „gemeinschaftliches Wohnen 50+“ in altersgerechten Wohnungen unter dem Motto „aktiv und gemeinsam statt passiv und einsam“.

„Es muss passen“
Zurück zu „Queer im Quartier“: Um sich zu beschnuppern, haben die Interessierten lange im Vorfeld ihres Einzugs an mehreren Wochenenden quasi probegewohnt – in Jugendher bergen im Umland. So wollten sie ausloten, ob alle etwa leiche Erwartungen, Ideen und Wünsche für dieses Wohnprojekt haben. „Es muss passen“, das war für die Vereinsgründer klar. Und bei manchen stellte sich da tatsächlich heraus, dass es eben nicht passt. Sprich: Nicht alle, die bei diesen Ausflügen dabei waren, sind am Ende auch in den Verein eingetreten oder ziehen mit ein. Übrig blieben am Ende „32 Menschen, die sich bis dato zum Teil gar nicht kannten“, erklärt Schulte und betont, dass da natürlich auch nicht immer „alles nur Eitelsonnenschein“ sei. Es werde viel diskutiert und gemittelt und man müsse sich oft committen und Kompromisse finden. Klar, sagt Schulte, „es ist halt ein demokratisches Projekt!“

Das Prinzip von „Queer im Quartier“
„Auf Basis von Akzeptanz von Unterschiedlichkeit, Solidarität und gegenseitiger Hilfe ist das Ziel, gemeinschaftlich in einer verbindlichen Nachbarschaft mit gemeinsam verabredeten Regeln zu wohnen und zu leben“.
Die 22 Zwei- bis Vierzimmer-Wohnungen der Wohnbau sind 43 bis 98 Quadratmeter groß und durchweg barrierearm. Einige sind sozial gefördert oder nur mit Wohnberechtigungsschein zu mieten. Für Menschen, die Pflege oder Unterstützung brauchen, gibt es in dem Quartier auch die Möglichkeit für assistierte Betreuung vor Ort. So sollen auch Menschen etwa mit altersbedingten Einschränkungen solange wie möglich im gewohnten Lebensumfeld selbstständig leben können. Eine der 22 Wohnungen dient als Begegnungsstätte und quasi Gemeinschaftsraum für Vereinstreffen und ähnliches.


Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt
Die Kita Kreyßigstraße



(ab) Sie ist in vielerlei Hinsicht eine besondere Kindertagesstätte, die Kita Kreyßigstraße. Hier gibt es nicht die übliche Ein teilung in feste Gruppen wie Bären-, Frosch- oder Bienen gruppe. „Wir arbeiten in offenen Gruppen, für die sich die Kinder selbst entscheiden können“, erklärt die Kita-Leiterin Valerie Dill. „Auch die Erzieher und Erzieherinnen arbeiten offen und nicht in festen Teams.“

Was diese neustädtische Einrichtung ebenfalls auszeichnet, sind die sogenannten Funk tions räume  mit  ihren  drei  ganz bestimmten Themen. Da ist zum einen der „Theaterraum“, in dem die Kinder spielerisch in unterschiedliche Rollen schlüpfen, ob im Kiosk, in der Bauecke oder beim Kostümieren. In der „Bewegungsbaustelle“ wird geturnt, getanzt, geklettert oder Gleichgewichthalten geübt. Im „Künstlerzimmer“ geht‘s ausgelassen kreativ zu: Auf dem Spielplan steht malen, kleben, nähen, basteln mit Bügelperlen, schminken ... Auch hier sind die Erzieher/innen nicht an die Kreativräume gebunden, sondern übernehmen jeden Monat einen anderen. Wichtig ist, dass jedes Kind seine/n Bezugserzieher/in hat und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit bleibt.

Große und kleine Kreative
Die Kita Kreyßigstraße ist Spiegel der Neustadt – mit vielen Nationen und vielen Sprachen. Für die Kleinen ist Herkunft kein Problem. 72 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren spielen und leben hier einträchtig miteinander. Bei etwa 80 Prozent ist Deutsch nicht die Mutter sprache. Aber Deutsch ist die Sprache, in der sie sich miteinander verständigen. Von 7 bis 17 Uhr ist die Einrichtung geöffnet und macht nur drei Wochen im Sommer und zwischen den Jahren „Ferien“.

Neben der alltäglichen Arbeit hat sich die Kita Kreyßigstraße drei Schwerpunkt gesetzt: Förderung der sprachlichen Bildung, interkulturelle Arbeit und Projektarbeit. Aus dem Bun desprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ wird eine interkulturelle Fachkraft in Teilzeit beschäftigt. Sie setzt sich als Sprachexpertin für die Sprachförderung der Kinder ein. Auch in der Projektarbeit geht das 13-köpfige Kita-Team außergewöhnliche Wege: Für jeden Tag werden neue Projekte erfunden, die von den Kindern mitbestimmt und gestaltet sind. Besonders beliebt sind z. B. Kekse backen, Sterne basteln, Sinnesreise oder das Piratenund das Schmetterlingsprojekt. Höchst kreativ sind die Kinder ebenfalls beim Entwickeln neuer Feste, die sie jedes Jahr selbst aussuchen können. Und das große Außengelände ist immer eine Attraktion zum Spielen und Toben.

Der Funke springt über
Die Elternvertretung ebenso wie der Förderverein der Kita sind begeistert von diesem Engagement der Erzieher. „Wir unterstützen die Kreativen mit all unseren Mitteln. Denn die vielen guten Ideen, die hier geboren werden“, betont Claudia Crespi, die Vorsitzende des Fördervereins, „dürfen nicht im Sande verlaufen.“ Andrea Löffler, die Vorsitzende im Elternausschuss, fügt an: „Man merkt, wie engagiert und mit wie viel Herzblut die Erzieher arbeiten und dass sie nicht nur ihren Job machen. Auch als Mutter fühle ich mich in dieser Umgebung wohl.“

Ein großes Problem allerdings hat die Kita Kreyßigstraße, das jedoch außerhalb der Einrichtung liegt: rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr. Viele motorisierte Verkehrs teilnehmer, selbst Busfahrer, ignorieren laut Kita im Großbereich der Goethestraße sowohl die 30-km/h-Zone als auch die Zebrastreifen. Hier wünscht sich das Kita-Team von allen Neustädterinnen und Neustädtern (und allen anderen Betreffenden),diese Schutzzonen für die Sicherheit der Kinder wahrzunehmen und zu respektieren.

Telefon: 06131 618648







Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü