Seite 2 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Die „Bunte Liga Rheinhessen“
Eine Institution der Mainzer Neustadt

(pk) Ohne Abseits, Schiedsrichter oder festen Spielplan: Wie schon eine SWR-Dokumen ta tion aus dem Jahr 2007 zeigte, tickt die inzwischen 26 Jahre alte „Bunte Liga Rheinhessen“ auch heute noch anders als der klassische Vereinsfußball. Doch was motiviert Spieler Struppi, Cem, Ollo oder Heiner für Teams wie „Bombeleescher“, „Hot Docs“, „Goethes Fuß“ oder „SKV Gesichtsgrätschen Bypass“ aufzulaufen?



Einzigartiger Spirit und familiäre Atmosphäre
„Die Liga ist für uns alle etwas ganz Besonderes“, sagt Daniel Sieben, Teamchef der Mannschaft „CF Millonarios Maguncia 02“, deren Mitglieder in der Liga gemeinhin als „Millos“ bekannt sind. „Da viele Spieler aus der Neustadt kommen, laufen wir uns auch im Alltag öfter mal über den Weg. Zum Beispiel am Gartenfeldplatz oder in den vielen Bars und Kneipen, die mitunter auch die Teams der Liga unterstützen – wie bei uns das ‚Jack Inn‘. Zu den Spielen kommen auch oft Familien mit Kindern, die jedes Mal für eine großartige Atmosphäre sorgen.“

Der einzigartige Bunte-Liga-Spirit wird aber auch – und vor allem – auf dem Platz gelebt, zum Beispiel beim 20-jährigen Jubiläumsturnier der Millos im vergangenen Jahr. „Da waren auch viele ehemalige Kicker von uns und zahlreiche Spieler anderer Teams mit von der Partie. Das war für uns einer der Höhepunkte beim ‚150 Jahre Neustadt-Fest, das parallel auf dem Goetheplatz stattfand“, erzählt Daniel Sieben, dessen Geschenkladen „Liebs“ aus der Leibnizstraße 22 als Sponsor für die Millos fungiert. „Den freundschaftlichen Charakter der Liga sehen wir unter anderem daran, dass wir bei aller sportlicher Rivalität ohne Schiedsrichter auskommen. Oder auch an einer Szene aus dem Sommer 2022: Damals hatte sich unser Spieler Gabriel in einer Partie die Achillessehne gerissen, woraufhin ihm auch die gegnerischen Spieler von ‚Inferno Vollpfosten‘ ihre Hilfe beim anstehenden Hausbau anboten und einen Baumarktgutschein schenkten. Eine klasse Aktion!“

Steigende Popularität und Spielstärke
Das Spielprinzip orientiert sich seit jeher an den Regeln des in vielen Ländern beliebten „Seven-a-side-football“-Modus, bei dem mit einem Torwart und sechs Feldspielern auf Kunstrasenkleinfeld zweimal 30 Minuten gespielt wird. In den vergangenen Spielzeiten hat die „Bunte Liga Rheinhessen“ enorm an Popularität und Spielstärke gewonnen. Das liegt einerseits daran, dass zwei Trainingseinheiten pro Woche auf dem Kunstrasenplatz im Goethepark stattfinden. Anderseits tummeln sich immer mehr Spieler in den Mannschaften, die im Aktivenbereich einst für relativ hochklassige Teams aufgelaufen sind. So kickten unter anderem David Pelz in der Jugend bei Mainz 05, Christoph Schmell in der Regionalliga Südwest beim SC Idar-Oberstein oder Christian Wölfelschneider in der Futsal-Bundesliga bei der TSG 1846 Mainz-Bretzenheim. Mit dem in Kirchheimbolanden geborenen Aaron Krüger kickt in der Liga sogar ein früherer Nationalspieler, der 2019 ein WM-Qualifikationsspiel für Guam bestritt. Das Fußballmagazin „11 Freunde“ und die „FAZ“ berichteten ausführlich über seine außergewöhnliche Geschichte.

Junge Spieler drängen vermehrt in die Liga
„Der sportliche Reiz der Bunten Liga hat sich auch längst bis auf den Campus herumgesprochen“, sagt David Schmitz, der seit 2022 für die Millos aktiv ist und das Fußballtraining für Studierende an der Universität Mainz leitet. „Die Kommilitonen laufen inzwischen für verschiedene Teams in der Liga auf. Der Reiz liegt darin, sich auf gutem Niveau messen zu können – ohne sich an feste Termine halten zu müssen, die einen im klassischen Vereinsfußball erwarten würden. Weil viele auch noch anderen Hobbys nachgehen, möchten sie nicht mehrmals pro Woche trainieren und jedes Wochenende spielen.“

Spiel, Spaß und kuriose Rituale
Zum zehnjährigen Jubiläum der Millos erstellte der noch heute aktive Constantin Schäfer – zugleich Kassenwart des Teams – eine illustrierte Vereinschronik. „Dabei stand natürlich der Spaß ganz vorne. Es ist ja auch wichtig, dass man sich selber nicht so ernst nimmt.“ Keine Kür, sondern eine Pflicht ist hingegen die Erstellung der Ligazeitschrift, die der Meister nach Saisonende übernehmen muss. Diese sogenannte „Liga-Bibel“ stellt die Teams auf lustige Art und Weise vor und blickt humorvoll auf Anekdoten der abgelaufenen Spielzeit zurück.

Vorgestellt wird diese „Bibel“ bei der traditionellen Saisonabschlussfeier, zu der alle Teams der Liga eingeladen sind und selbstgebastelte (!) Pokale mitbringen müssen. „Zudem gibt es auf der Liga-Homepage immer wieder witzige Spielberichte und kuriose Team-Rituale: Beispielsweise führt ‚Rhein damit‘ beim Anstoß einen Mannschaftstanz vor. Wir Millos treten nach dem Schlusspfiff stimmgewaltig vor unserer Flagge auf“, so Constantin Schäfer.

Integration und Solidarität im Fokus
Die Bunte-Liga-Teams stehen außerdem für Integration und Solidarität. So rief Constantin Schäfer zusammen mit einem Freund einen „Flüchtlingskick“ ins Leben, der sich anfangs an aus Krisenregionen gekommene Menschen richtete (der „Neustadt-Anzeiger“ berichtete darüber im Juli 2017). Inzwischen hat sich daraus ein „Samstagskick“ entwickelt, der sich als Trainingsbetrieb für alle Interessierten etabliert hat und einen Platz für zahlreiche Kulturen auf dem Kunstrasenplatz im Goethepark bietet.

Millos-Spieler Sascha Himmelreich, der bei den Spielen seines Teams seit dieser Saison eine Spendenaktion für die Seenotrettung „Sea Punks“ (mehr dazu unter www.seapunks.de) durchführt, fasst den gemeinnützigen Ansatz der Liga zusammen: „Sport, Spaß und Solidarität sollten immer eine Einheit bilden – und das macht die Bunte Liga in jeder Hinsicht!“

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