Seite 2 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Aus Liebe zur Haut
Zu Besuch im Piercing- und Tattoo-Studio „Letzte Instanz“

(lf) Die Haut ist ein faszinierendes Körperteil. Sie ist anpassungsfähig, sie schützt, reguliert, wehrt ab und ist überdies noch das flächenmäßig größte Organ, das der Mensch zu bieten hat. Viel Oberfläche also für allerlei sinnliche Wahrnehmung – und für allerlei persönliche Gestaltung in Form von Tattoos, Piercings oder Tunnels. Und darum kümmert sich in der Neustadt seit 16 Jahren professionell Michaela Koch, die Chefin des Studios „Letzte Instanz“ in der Frauenlobstraße 86.

Ehrlichkeit und Rundumservice
Genauer gesagt ist die gelernte Arzthelferin für die Piercings zuständig. Das macht sie seit 26 Jahren. Anfänglich noch in einer Arztpraxis und in zwei Studios, seit Februar 2008 in ihrem eigenen Geschäft. Es gibt keine Stelle, die sie nicht durchstechen würde. Aber, räumt die gebürtige Mainzerin ein, nur, was sie auch verantworten könne.  

Anatomisch Unmögliches, medizinisch Bedenkliches oder geschmacklich Fragwürdiges lässt sie bleiben. Und das kommuniziert sie auch. Direkt, ohne Umschweife. Ehrlichkeit gehört zu ihrem Geschäftsmodell. Dafür wird sie von ihren Kundinnen und Kunden geschätzt. Zuneigung, die sie in vollem Umfang zurückgibt: „Ich liebe persönlichen Kundenkontakt. Der steht sogar manchmal über der Familie oder den Freunden.“

Für ihre Liebsten eher schlecht, richtig gut dagegen für ihre Kunden, die sie per WhatsApp jeden Tag erreichen können und auch umgehend Antwort erhalten. Ein Rundumservice, der Michaela nicht nur volle Auftragsbücher beschert, sondern auch eine zufriedene, fachfrauisch gepiercte Stammkundschaft.

Zum Team der „Letzten Instanz“ gehören Tätowierer Marcel und Tätowiererin Perla, die „Wimpernfee“ Maya und die „gute Seele“ Jessi, der man im mit reichlich Totenköpfen ausgestatteten Studio zuerst begegnet. Sie koordiniert, unterhält und sorgt damit für Entspannung vor der potenziell schmerzhaften Behandlung an Haut, Nase, Mund oder im Intimbereich.

Stillhalten hilft gegen Schmerzen
Gegen Schmerzen beim Perforieren einzelner Körperbereiche hilft vor allem Stillhalten – und eine erfahrene Piercerin. „Je schneller ich etwas mache, umso schmerzfreier ist das Einsetzen“, erzählt Michaela und verrät noch einen Trick gegen Zappeln und Wackeln: „Ich lenke die Leute teilweise ab mit Fragen, mit denen sie nicht rechnen.“ Und zack, ein Katzen- oder Hundename später ist das Piercing auch schon an gewünschter Stelle angebracht. Die gefragtesten Regionen seien nach wie vor Ohren und Bauchnabel, erzählt Michaela, am liebsten mit Gold- oder Glitzerschmuck durchstochen.

Piercings mit Neustadt-Motiven sind in ihrem hygienezertifizierten Studio weniger gefragt. Auch prangt die Christuskirche, die Kunsthalle oder die Neue Synagoge noch auf keiner Haut, die in der „Letzten Instanz“ zu Gast war. Namen sticht Tätowierer Marcel sehr ungern. Schnell ist der Kurt am Oberarm ein Richard, die Sabine im Dekolleté eine Jennifer – und so enden langfristig angelegte Entscheidungen in zu kurz gedachten Fehlentscheidungen. Liebe ist vergänglich, Haut geduldig.

Die „Letzte Instanz“ bietet dann „sozusagen den letzten Ausweg“, wie die stets schwarz gekleidete Chefin den ungewöhnlichen Namen ihres Studios erklärt. Ob Ohrläppchenrekonstruktionen, Hautwucherungen oder Entzündungen: „Alles, was schiefgelaufen ist, wird hier gut“, sagt Michaela in ihrer ehrlichen Art. Damit weiß sie als Fachfrau bestens umzugehen und versteht es meisterhaft, die Haut, dieses faszinierende Organ, wieder für allerlei sinnliche Wahrnehmung und allerlei persönliche Gestaltung in Form zu bringen.
Ein Programm gegen die Einsamkeit
Gemeindeschwester plus: Tobias Kaiser ist der Neue für die Neustadt

(am) Viele hochbetagte Menschen leben noch in den eigenen vier Wänden. Doch je älter Seniorinnen und Senioren werden, desto beschwerlicher kann der Alltag werden. Damit sie möglichst lange und gesund daheimbleiben können, gibt es das Landesprogramm Gemeindeschwester plus. Seit Januar 2024 ist Tobias Kaiser für das Programm in der Mainzer Neustadt tätig.

Zielgruppe sind Menschen über 80 Jahre. Das kostenfreie, präventive Angebot richtet sich an Seniorinnen und Senioren, die keine Pflege brauchen, sich aber eine unterstützende Beratung in ihrem Alltag wünschen.

Kaiser ist Pflegefachkraft mit mehr als 20-jähriger Berufserfahrung und damit bestens für seine Aufgabe qualifiziert, obwohl er selbst keine pflegerischen Arbeiten ausübt. Seine Haupttätigkeit besteht vielmehr im so genannten präventiven Hausbesuch. Dort bemerkt sein geschultes Auge schnell, wo im Haushalt Unterstützungsbedarf besteht. Ziel ist es immer, die Selbständigkeit Hochbetagter so lange wie möglich zu erhalten.

Mit viel Zeit und einem offenen Ohr
Seit Februar 2023 arbeitet er für das Gemeindeschwester-plus-Programm für die Stadtteile Ebersheim, Hechtsheim, Laubenheim und Weisenau. Sein neuer Wirkungskreis in der Neustadt kam hinzu, weil seine Vorgängerin ihre Arbeitszeit reduziert hat und nur noch in der Oberstadt tätig ist.  

Dass er seine Arbeit frei gestalten kann, gefällt ihm besonders gut. Kaiser ist ein Allrounder. Er hilft beim Ausfüllen von Formularen, berät über Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen, weiß Rat bei Urin-Inkontinenz, vermittelt Kontakte zum örtlichen Pflegestützpunkt, kann Tipps zur Freizeitgestaltung geben oder empfiehlt Bewegungsangebote. Und vor allem nimmt er sich Zeit und hört seinen Klienten zu. Bei ihm und seinen Kolleginnen laufen viele Fäden zusammen. Deshalb gehört Netz werken mit Menschen und Institutionen der Seniorenarbeit und des Gesundheitsbereichs auch zu seinen Aufgaben. „Ich kann nicht alle Barrieren beseitigen, aber dabei helfen“, erläutert der Pflegeexperte. „Es soll wieder Bewegung ins Leben kommen“, wünscht er sich für die Seniorinnen und Senioren.  

Wie kommt Kaiser mit seinen Klienten in Kontakt? Er schreibt sie in erster Linie per Brief an. Die Adressen erhält er vom Bürgeramt. Aber auch durch Mundpropaganda und Empfehlungen von sozialen Einrichtungen wird die Zielgruppe auf ihn aufmerksam. Jeden ersten Donnerstag im Monat hält er im Stadtteilbüro in der Sömmerringstraße eine Sprechstunde ab.

Das Programm ist erfolgreich
Kaiser beobachtet, dass sehr alte Menschen häufig sehr einsam sind. „Viele haben Angst vor dem, was kommt“, sagt er. Aber auch die Inflation, die steigenden Mieten und die Krisen in der Welt sind eine zusätzliche seelische Belastung. Der Experte und seine Kolleginnen in den anderen Stadtteilen leisten hier wertvolle Unterstützung. Aber nicht jeder, der berechtigt ist, nimmt auch Kontakt auf. „Hilfe anzunehmen ist oft schwer“, weiß er, denn viele Menschen schämen sich, weil sie Unterstützung brauchen. Er möchte deshalb alle Seniorinnen und Senioren ermutigen, den ersten Schritt zu machen und sich bei ihm zu melden.  

Das Projekt Gemeindeschwester plus ist vom Land Rheinland-Pfalz durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung sowie die in Rheinland-Pfalz vertretenen gesetzlichen Krankenkassen und Krankenkassenverbände initiiert worden. Das Land hat für Mainz 1,5 Stellen finanziert. Die Stadt selbst hat zusätzlich noch einmal 1,25 Stellen aufgestockt. Dies zeige, dass das Programm wirke, meint Kaiser. Er findet aber, dass es noch weiter ausgebaut werden könne. Denn es gebe noch viele Menschen, die angesprochen werden könnten.

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