Seite 2 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Kunstszene bereichert
Die Emde Gallery eröffnet mit der Gruppenausstellung „Erstbegehung“



(rei) Zeichnungen, Collagen, Malereien, ein Holzbrett mit einem Zahnrad – wirklich spannende moderne Kunstwerke erwarten den Besucher der neu eröffneten Galerie in der Richard-Wagner-Straße 13 in der nördlichen Neustadt. Früher war hier eine Pizzeria, doch davon ist nichts mehr zu sehen. Die erste Gruppenausstellung mit insgesamt sieben Künstlern und Künstlerinnen der Galerie vereint unterschiedliche Medien und spiegelt somit die Philosophie der Galerie wider, die auf Vielfältigkeit angelegt ist.

„Es ist zeitgenössische Kunst mit internationaler Ausrichtung“, sagt die Galeristin Annette Emde, während sie durch die Räumlichkeiten führt. Zum Beispiel ist der Neuseeländer Thomas Newman Pound mit seinen Assemblagen von gefundenen Objekten vertreten. Sie legen Zeugnis davon ab, was weggeworfen wurde und nun als Zeichen des Vergangenen in seinen Kunstwerken weiterlebt. Das wirkt antik und ungewöhnlich. Zu sehen sind außerdem Zeichnungen des Mainzer Künstler Lukas Gartiser, figürliche  und abstrakte Gemälde von Nemanja Sarbajic aus Karlsruhe sowie von Wolfgang Günther und Pascal Brinkmann, beides Studierende des bekannten Malers Prof. Werner Büttner an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Oder auch Collagen von Fehmi Baumbach aus Berlin: Gesichter, Fotos, Bindfäden verschmelzen zu einer facettenreichen Geschichte. Und schließlich das großflächige Gemälde von Rahel Sorg mit dem Titel „not finished yet“, das tatsächlich so wirkt, als wäre es nicht rechtzeitig fertig geworden: Streifig und fleckig, abstrakt, einige Objekte wirken fast wie zufällig angeordnet.

Rahel Sorg studiert noch an der Kunsthochschule in Mainz und ist mit der Kunsthalle verbunden. Genau wie Annette Emde, die Kunsthistorikerin ist und in der Kunsthalle Rundgänge durchführt. So haben sich die beiden kennen gelernt. Das ist aber nur ein Punkt, wie Annette Emde sich die Künstler für ihre Galerie aussucht. Manchmal ist es Zufall, dass sie auf einen Künstler aufmerksam wird, ein anderes Mal nimmt sie gezielt Kontakt auf. So sind in der ersten Ausstellung sowohl etabliertere Künstler und Künstlerinnen als auch junge Positionen vertreten. „Alle haben großes Potential“, davon ist Emde überzeugt. Einige Kunstwerke der Ausstellung sind bereits verkauft.

Neues Leben in ehemaliger Pizzeria
Der Geruch von gebackenem Teig ist dem von frischer Farbe gewichen. Die Wände sind weiß, der Boden mal geschliffener Beton, mal Holzdielen, mal Terrazzo. Die Atmosphäre ist schlicht, nichts soll von der Kunst an den Wänden ablenken. Hier und da gibt es ein orangenes Element, wie einen Stuhl. Die Farbe verbindet Annette Emde positiv mit ihrer Kindheit, ihre Familie fuhr einen orangenen NSU Ro 80. Deshalb ist auch der Schriftzug in orange gehalten. Mehrere Monate hat sie renoviert, nun ist alles fertig und die Kunstinteressierten können kommen. „Trotz der Corona Einschränkungen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt gewesen zu eröffnen“, sagt Emde. Mit der Galerie will sie die Kunstszene bereichern, über das RheinMain-Gebiet hinaus. „Eine solche Galerie für zeitgenössische Kunst hat hier in Mainz gefehlt“, findet Emde. Die Neustadt sei ein toller Stadtteil und genau die richtige Umgebung dafür.

Professionell arrangiert und inszeniert
Annette Emde macht zuerst eine Ausbildung zur Fotografin, studiert anschließend Kunstgeschichte, Philosophie und Theaterwissenschaft in Mainz. 2007 promoviert sie über die Stadt- und Straßenbilder von Thomas Struth, einem international anerkannten Fotografen für Architektur. Sie denkt in Bildern und ihr Sinn für Raum und Gestaltung spiegelt sich in ihrer Galerie wider. In der Einfachheit der Anordnung drückt sich eine stimmige Harmonie aus.

Einzelausstellungen folgen
Nach der Gruppenausstellung sollen ab Ende August Einzel- und Doppelausstellungen folgen, die mehr Werke der einzelnen Künstlerinnen und Künstler zeigen und damit einen tieferen Einblick in deren Schaffen erlauben. Künftig möchte Annette Emde aber auch Lesungen, Filmabende oder Künstlergespräche in ihrer Galerie veranstalten. Sie will ihre Begeisterung für die Kunst mit anderen teilen. Der Anfang ist schon mal gelungen.




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