Seite 2 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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hoppipolla
Neustart auf Isländisch ‒ Kindertagespflege-Einrichtung in der Kurfürstenstraße

(sh) „Interessierte Eltern haben mich schon angeschrieben, als ich noch in der Ausbildung war“, sagt die frisch gebackene und zertifizierte Tagesmutter Wiebke Müller, die am 9. August 2021 eine Kindertagespflege-Einrichtung in der Kurfürstenstraße 23 eröffnet hat. „Und auch jetzt rennen mir Mütter die Tür ein und fragen nach einem Platz für ihr Kind“. Sie habe schon eine lange Warteliste. In der Neustadt gibt es nicht viele Tagesmütter.

Seitdem es einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in Kitas gibt, ist der Bedarf enorm angestiegen (ca. 2.000 Plätze sind in Mainz bis 2023 nötig). Nicht zuletzt, da Mainz zu einer der attraktivsten Städte der Region gehört – vor allem für junge Familien.

Ihr Einstieg sei „wie im Bilderbuch“ gelaufen. Sie ist schon seit Juni in puncto Erziehungsfragen in Kontakt mit den Eltern von Emil – dem ersten Kind in ihrer Einrichtung. Emil ist vierzehn Monate alt und sie hatte von Anfang an das Gefühl, dass die Eltern und sie an einem Strang ziehen und das ist für Wiebke Müller die Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit.

Wie kam es zur Gründung einer eigenen Kindertagespflege-Einrichtung?
Wiebke Müller war neun Jahre als Medien-Designerin beschäftigt. Allerdings hatte sie schon lange den Wunsch, mit Kindern zu arbeiten. Den Kick zur praktischen Umsetzung hat sie durch eine Infoveranstaltung für interessierte Tagesmütter und -väter bekommen und ihren Job gekündigt.

Mit ihren beiden Nichten hat alles angefangen. Wiebke Müller hat sie schon von klein auf regelmäßig gehütet und einen engen Kontakt zu ihnen. So kam es, dass eine der Nichten – da war sie sieben Jahre alt – den Original Schriftzug von „hoppipolla“ geschrieben hat. Als ausgebildete Medien-Designerin kein Problem für Wiebke Müller, die Vorlage graphisch umzusetzen. Ihre Affinität zu Skandinavien hat den Ausschlag zu diesem Namen gegeben. Und so ist „hoppipolla“ entstanden. Tante und Nichte sind sehr stolz darauf. „hoppipolla“ kommt aus dem Isländischen und bedeutet „die Freude, in Pfützen zu springen“. Und genau dieses Lebensgefühl von Leichtigkeit und Lebenslust will sie ihren Schützlingen geben.

Wenn man in die Räumlichkeiten von „hoppipolla“ hereinkommt, hat man das Gefühl, in einem gemütlich eingerichteten kindgerechten Wohnzimmer mit Küche zu stehen. Die Atmosphäre ist einladend, Pastelltöne gestalten den Raum.

Wie wird man Tagesmutter oder -vater?
Ihre offizielle Berufsbezeichnung lautet Tagespflegeperson, die aber die Wenigsten kennen.

Die fünfmonatige Ausbildung läuft über einen pädagogischen Qualifikationskurs des Jugendamtes der Stadt Mainz, das die Kosten weitestgehend übernimmt. Das Jugendamt zeichnet auch für die Pflegeerlaubnis verantwortlich auf der Grundlage einer Eignungsfeststellung. Weitere Voraussetzungen für den Beruf sind unter anderem ein ärztlicher Nachweis zur gesundheitlichen Eignung, ein Erste-Hilfe-Kurs am Kind, ein erweitertes Führungszeug nis, zwanzig Stunden Fortbildungspflicht pro Jahr, eine Unfall- und Haftpflichtversicherung, sichere, kindgerechte Räumlichkeiten.

Für Wiebke Müller war es nicht einfach, passende Räumlichkeiten zu finden. Die meisten Tagesmütter arbeiten in ihren Privaträumen, was die Dinge vereinfacht – auch finanziell. Auf der einen Seite wollen private Ver mieter ungern an eine Frau mit Kindern vermieten; auf der anderen Seite passen die Auflagen vom Jugendamt nicht unbedingt zu gewerblichen Objekten. Die Stadt Mainz war bei der Suche keine echte Hilfe und so hat Wiebke Müller die Straßen selbst „abgeklappert“ und ist in der Kurfürstenstraße 23, ehemals Kostümverleih Claudia Plachetka, fündig geworden.


Mach es einfach selbst!
Die Fahrrad-Reparaturstation im Goethepark

(sl) „Selbst ist der Mann“, sagte sich frei nach Goethe (Faust II) Milan Schlinkbäumer, Fahrradfan und Erzieher in der Kita Wundertüte e.V. am Goetheplatz. Täglich fuhr er mit dem Rad zur Arbeit und oft war es nötig, kleinere Reparaturen durchzuführen oder Luft aufzupumpen. Und nicht nur bei ihm, auch andere Kollegen oder Eltern, die ihre Kinder mit dem Rad zur Kita gebracht hatten, nahmen die Hilfe des freundlichen Erziehers gern in Anspruch, um das eigene Rad wieder flott zu machen. Das brachte ihn auf eine Idee:

„Wie wäre es, wenn…
… ich hier im Kindergarten in einer Ecke einen Fahrradreparaturständer mit etwas Werkzeug aufbauen würde, so dass man seine Kinder brin gen und gleich auch sein Rad reparieren könnte!“ Der Vorschlag fand Anklang und Schlink bäumer machte sich kundig, wie so eine Station zu bauen oder zu erwerben sei. Eine entscheidende Hilfe bei diesen Recherchen und bei der Beantragung der nötigen Gelder war Kita-Vorstandsmitglied Katharina Heller. Sie setzte sich dafür ein, dass aus Mitteln des Verfügungsfonds des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ die 2.200 Euro bewilligt wurden, die so eine Reparatursäule kostete. Jetzt hieß es, Nägel mit Köpfen zu machen und das Projekt auch der Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Viel Arbeit für den Fahrradfan
Milan Schlinkbäumer goss den dafür erforderlichen Betonsockel und baute die Reparaturstation selbst auf. Dazu kommen auch noch die Wartungsarbeiten. Die Kindertagesstätte „Wundertüte e.V.“hat für die Station nämlich die Patenschaft übernommen. Für Milan Schlinkbäumer heißt das, die Reparaturstation alle acht Wochen auseinander zu bauen und ggf. abgenutzte Schläuche und Ventile zu ersetzen. „Dafür habe ich bisher schon 120 Euro bezahlt“, sagt er und überlegt, ob er für diese Ausgaben nicht eine Spendenbüchse an der Reparaturstation anbringen sollte.

Aber es geht nicht nur um Verschleiß. „Leider ist es schon passiert, dass man Teile des mit Drahtseilen befestigten Werkzeugs aus der Reparatursäule entwendet hat“, sagt Milan und zeigt dem Neustadt-Anzeiger beim Interview, die aufgeschnittenen Drahtseile.

Milan Schlinkbäumer bestätigt, dass die Fahrrad-Säule sehr gut von der Kundschaft angenommen wird. „Pro Tag sind es bestimmt fünf bis zehn Personen, die sie brauchen. Ganz nebenbei lernen auch die Kinder, wie man ein Fahrrad repariert – und sie geben durch den Zaun hindurch auch schon mal gute Tipps!“ sagt Milan Schlinkbäumer. Und man merkt dass er dabei auch ein bisschen Stolz auf „seine“ Kinder ist.

Nützliche Hinweise zur Nutzung
  • Man muss schon ein bisschen suchen, ehe man die rote Reparatursäule findet. Sie steht etwa 10m von der Goethestraße entfernt Park einwärts am Zaun der Kita „Wundertüte e.V.“
  • Außen an der Säule gibt es leider keine Bedienungsanleitung, aber es gibt einen QR-Code mit nützlichen Tipps und Videos zu verschiedenen Reparaturen. Wer jedoch kein Handy mit der nötigen App hat, kann die Tipps nicht lesen.
  • Die Nutzung ist kostenlos, dennoch braucht man unbedingt eine 50-Cent-Münze oder eine 1- oder 2-Euro-Münze, um den Werkzeugschrank zu öffnen. Es kommt dabei nicht auf den Wert der Münze an, sondern allein auf die Größe.
  • Nach beendeter Nutzung des angeketteten (!) Werkzeugs schließt man den „Reparatur-Schrank“ und bekommt – wie bei einem Einkaufswagen – seine Münze wieder zurück.

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