Seite 3 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Januar 2020
„Auf die Ewigkeit“
Thilo Weckmüller präsentiert in Jacques‘ Weindepot

(ab) Kennen gelernt haben sich der Mainzer Künstler Thilo Weckmüller und der Weinhändler Uwe Landsmann von Jacques‘ Weindepot bei einer Ausstellungseröffnung in Ingelheim. Da wurde die Idee geboren, Werke des Künstlers auch im Weindepot zu präsentieren. „Ein schöner öffentlicher Raum“, sagen beide übereinstimmend, „in dem sich die Menschen mit einem edlen Tropfen zu den Bildern setzen, sie betrachten und zusammen darüber diskutieren können.“

Am Freitag, dem 31. Januar, um 17 Uhr wird die Ausstellung mit Thilo Weckmüller eröffnet. Der Eintritt ist frei. Empfangen werden die Gäste mit einem kleinen Fingerfood-Büffet und einem Glas Crémant, um anzustoßen „auf die Ewigkeit“, so der Titel der Bilderschau. Eine Woche lang wird sie in der Weinhandlung zu sehen sein.

„Der Wein, der den Künstler seit seiner Kindheit im rheinhessischen Sörgenloch umgibt, durchfließt und belebt auch seine Bilder. Die Figuren darauf sind rotwangig und weinbeseelt, traurig und nachdenklich, stürmisch und aufgepeitscht oder, wie im namensgebenden Bild der Ausstellung, schon tot“, heißt es in der Einladung.

Die Werke von Thilo Weckmüller erzählen Geschichten, eingebettet in klassische Ölmalerei, traditionelle Drucktechniken oder als farbig gefasste Keramiken. Sie sind eine subtile Mischung aus skurril-humorigen und sarkastischen Darstellungen. Zu sehen und zu kaufen sind seine Arbeiten über seine Homepage im Internet oder in der Galerie Kunst & Werk in Ingelheim. Viele seiner Bilder hat er auch als Drucke in kleiner Auflage gefertigt. Kalender und Kartensets seiner Ansichten findet man in großer Auswahl außerdem im uah!-Werkstattladen, den er gemeinsam mit seinem Partner Thomas Bauer in der Hinteren Bleiche 28 in Mainz führt.
„Auf die Ewigkeit“
Ausstellungseröffnung:
27. 01. 2020, 17.00 Uhr
Der Künstler im Gespräch:
31. 01. 2020, 17.00 Uhr
in Jacques’ Weindepot
Thilo Weckmüller
Mobil: 0177 6974509
   
Gegen das Vergessen – Die Gestapo in der Kaiserstraße 31

(sk) Wenn Sie am Eckhaus in der Kaiserstraße 31 vorbeigehen, ist Ihnen dann schon die Gedenktafel neben dem Briefkasten aufgefallen? Und kennen Sie die wechselvolle Geschichte und dunkle Vergangenheit dieses Gebäudes?
Der Prachtbau aus der Gründerzeit wurde 1889 im Zuge der Erschließung der Mainzer Neustadt vom Architekten Ernst Zehrlaut erbaut. 1926 erwarb der jüdische Geschäftsmann Ludwig Lehmann Goldschmidt das Anwesen. Den halben Miteigentumsanteil verkaufte er zwei Jahre später seinem Freund  Georg August Walter, mit dem er außerdem gleichberechtigter Gesellschafter in der Georg August Walter Druckerei GmbH in Mainz  war.

Die Peiniger wohnten im selben Haus
Auf einer Informationstafel in der Kaiserstraße ist zu lesen, dass Walter nach Machtübernahme der Nationalsozialisten dazu gedrängt wurde, die Geschäftspartnerschaft mit Ludwig Goldschmidt wegen dessen jüdischer Herkunft zu beenden. Nachdem Goldschmidt bereits 1936 seine Geschäftsanteile an Walter abtreten musste, ging 1939 auch das Haus in der Kaiserstraße an diesen über. Goldschmidt wohnte immer noch im zweiten Obergeschoss des Hauses, als 1937 die Geheime Staatspolizei (GeStaPo) in das Erdgeschoss und den ersten Stock der Kaiserstraße 31 einzog.
Die Gestapo war der kriminalpolizeiliche Behördenapparat während der Zeit des Nationalsozialismus, der mit brutalen Folter- und Ermittlungsmethoden politische und ideologische Gegner bekämpfte. Nicht nur Kommunisten, Sozialdemokraten oder Juden, sondern auch Christen der „Bekennenden Kirche“, Sinti und Roma, Zwangsarbeiter, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung, Schwarzmarkthändler oder so genannte „Arbeitsscheue“ wurden Opfer von brutalen Verhören und Folter. Keiner konnte sich vor Bespitzelung und Denunziation sicher sein und oft reichte auch nur Kritik an den Zuständen im Dritten Reich oder Zweifel an den Erfolgen der Wehrmacht, um vorgeladen zu werden
Im Keller war die Folterkammer
In Mainz war eine Außenstelle der Gestapo Darmstadt, die für den ganzen Volksstaat (so nannte man damals die einzelnen Landesteile) Hessen zuständig war und weisungsbefugt für die Dienststellen in Gießen, Offenbach, Mainz und Worms. Auch Vorladungen in der Kaiserstraße 31 waren wegen der menschenunwürdigen Verhörmethoden gefürchtet. Im Innenhof des Gebäudes in der Kaiserstraße befand sich ein Lattenverschlag, der von der Gestapo als Gefängnis genutzt wurde. Hier wurden teilweise bis zu 20 Gefangene eingepfercht. Häftlinge mussten dort oft mehrere Tage auf die Überführung in die Polizeihaftanstalten warten. Die Folter der Gefangenen fand in den Kellerräumen des Hauses statt, damit Schreie der Gequälten nicht nach außen auf die Straße drangen.
Auch für die Deportationen der Mainzer Sinti im Jahr 1940 und ab 1942 der Mainzer Juden war die Gestapo verantwortlich. Bei der ersten Deportation von Mainzer Juden am 25. März 1942 diente die Turnhalle der Feldbergschule als Sammelstelle. Von dort wurden die zum Abtransport bestimmten Juden in der darauf folgenden Nacht zum Güterbahnhof in der Mombacher Straße gebracht, von wo sie dann in Güterzügen in die Konzentrations- und Vernichtungslager geschickt wurden.

Was geschah nach dem Krieg?
Kurz vor Kriegsende und dem Eintreffen der amerikanischen Truppen im März 1945 setzten sich die meisten Gestapo-Beamten auf das rechte Rheinufer ab, andere tauchten in der am 27. Februar 1945 zerbombten Stadt unter und gaben sich nach Eintreffen der Amerikaner als Widerständler aus. Da viele Unterlagen kurz vor Kriegsende von der Gestapo vernichtet wurden, war eine Beweisführung und Verurteilung ehemaliger Mitarbeiter oft schwierig.

Der ehemalige Besitzer des Hauses Ludwig Goldschmidt entkam der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. 1939 gelang ihm und seiner Familie die Flucht in die Vereinigten Staaten. Der Großteil seines Vermögens ging allerdings durch Beschlagnahmung und Versteigerung verloren. Nach dem Krieg mussten die Goldsmiths, wie sie sich nun nannten, lange um eine angemessene Entschädigung kämpfen. Die ihnen letztendlich wieder zugesprochene Hälfte des Hauses verkaufte Ludwig Goldsmith 1954 erneut an Georg August Walter.
Nach Kriegsende war in der Kaiserstraße 31 für kurze Zeit der Sitz des Regierungspräsidiums Rheinhessen, heute befindet sich dort das Gewerbeaufsichtsamt der Stadt Mainz.
Mehr zum Thema:
Die 2015 gegründete Stiftung „Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“ möchte an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur erinnern, um diese vor dem Vergessen zu bewahren. Ferner will die Einrichtung  zum Nachdenken anregen, das Gespräch initiieren, um das demokratische Bewusstsein und eine Haltung für Akzeptanz zu fördern. Dazu bieten sie Materialien zur politischen Bildung an und das Haus des Erinnerns steht für Schulklassen, interessierte Gruppen und Einzelpersonen offen.
Kontakt: Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz, www.haus-des-erinnerns-mainz.de, Tel. 06131-6177447

Zusammen mit der Stadt Mainz hat die Stiftung außerdem eine Broschüre „Pfad der Erinnerung“ herausgegeben, die den Leser zu Stätten der NS-Diktatur in Mainz führt, die Kaiserstraße 31 ist eine dieser Stationen. Die Broschüre kann bei der Stadt Mainz gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro erworben oder unter www.mainz.de/kultur-und-wissenschaft/stadtgeschichte/pfad-der-erinnerung.php heruntergeladen werden.
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