Seite 4 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Januar 2020
Auf Achse
Das umtriebige Leben eines Neustädters



(ab) Eigentlich könnte er schon längst im Ruhestand sein, aber er bleibt „auf Achse“ in seinen vier Welten: Matthias Mletzko, Neustädter seit 1951, ist Container-Fahrer und Gewaltforscher, Musiker und Motorradfreak.

Die Welt der Brummi-Fahrer
Sein Interesse für Großfahrzeuge hat er schon mit fünf Jahren entdeckt, als er erstmals auf einer Dampflok mitfahren durfte. Er blieb bei seiner Vorliebe für Großfahrzeuge, machte 1971 den LKW-Führerschein und arbeitet seitdem mal Vollzeit, mal Teilzeit im Rhein-Main-Nahe-Mosel-Saar-Gebiet für das Container-Terminal Mainz und die Spedition Frankenbach. „Die schönsten Momente sind die, im Sommer in die Morgensonne zu fahren. Oder auf der Tour an einer Ladestelle zu stehen mit dem Blick auf die weite Landschaft.“

Doch der Alltag und die Arbeitsbedingungen sind alles andere als romantisch. Gnadenloser Preiskampf. Brutaler Zeitdruck. Knochenarbeit. „Acht-Stunden-Tag“ ein Fremdwort, die Bezahlung „unterirdisch“. Große Logistikzentren siedeln in Autobahnnähe ohne Bahnanschluss an. Folglich kommen immer mehr Güter auf die Straße. „Das alles birgt ein hohes Konflikt- und Reibungspotential und wirkt sich unweigerlich auch auf das Fahrverhalten aus“, beschreibt Matthias Mletzko seine Beobachtungen.

Warum macht er das alles, obwohl er es nicht mehr muss? „Der Reiz liegt darin, dass ich viele Betriebe, unterschiedliche Menschentypen und Unternehmenskulturen kennenlerne und studieren kann. Zudem komme ich viel herum. Ich mache diese Arbeit gerne, sonst würde ich sie nicht machen.“

Forschung und Erforschung
Unterwegs ist Matthias Mletzko - im übertragenden Sinne - selbst bei seinem „Schreibtisch-Job“. Seit seinem Studium der Politikwissenschaften beschäftigt er sich mit politisch motivierter Gewalt im rechten und im linken Phänomenbereich. „Was Letzteres angeht, gehöre ich zu den Exoten“, sagt er.

In den vergangenen 15 Jahren hat er an mehreren Forschungsprojekten in unterschiedlichen Bundesländern mitgearbeitet. Er hat Tat- und Gruppenanalysen vorgelegt und verschiedene Fallstudien über Mehrfach- und Intensivgewalttäter herausgebracht. „Ich arbeite auf Datenbasis, jenseits von emotionaler Empörungsspirale“, erklärt er. „Was Terrorismusrelevanz und lebensbedrohliche Handlungsweisen angeht, ist die rechte Gewalt deutlich gefährlicher als die linke. Doch auch im linken Bereich bestehen Tötungsbereitschaften, deutlich weniger zwar, aber es gibt sie.“ Sein Ziel bleibt es, behördliche Berichterstattung durch vertiefende Auswertungen zu begleiten.

Heute hier, morgen dort
Auf Achse begibt sich Matthias Mletzko auch für seine große Leidenschaft, die Musik. Geprägt hat ihn die Blues- und Rockszene Mitte der 60er, Anfang der 70er Jahre, die Zeit der Umbrüche. Er spielt Bass und E-Gitarre sowohl in der Charlie Crow Band wie auch in der Bluesband BlueSteam. Auftritte haben sie im Rhein-Main-Gebiet und Rheinhessen. Des öfteren spielen sie in der Bar jeder Sicht im Mainzer Bleichenviertel. Weiter weg ging es letztens, als er mit der Charlie-Crow-Band in der Bretagne war. „ Es ist ein wunderbares Gefühl, in der Musik zu versinken. Und ein tolles Erlebnis zu merken, dass auch in einer echt bretonischen Kneipe der Funke überspringt.“

Zu seiner handgemachten Musik passt der Sound von Zweizylindern. Mit alten Motorrädern ist der Classic-Bike-Freak seit 1968 auf Tour. Frühe Highlights waren eine 1952er BMW R 25/3 und eine 1967er BMW R 69 S. „Mein Traum von einer alten Engländerin ging Anfang der 2000er Jahre in Erfüllung: erst eine 1968er, dann etwas später eine 1958er ,Bonnie‘ (Triumph Bonneville).“ Und wenn sich Mathias Mletzko auf seine Maschine schwingt und in die Morgensonne fährt, dann kommt so etwas wie „Easy Rider“-Stimmung auf.
    
Endlich barrierefrei
Neue Postfiliale in der PAPIER- & STIFTEcke Neustadt

(tl) Es war eine glückliche Fügung, als der Mieter der ehemaligen Fahrschule Abel in der Boppstraße auf Herrn Toujouti, den Inhaber des Computer Planet Mainz (CPM), mit der Information zukam, dass er in den wohlverdienten Ruhestand gehen werde. Da entstand der Gedanke, die zehn Jahre mitgeführte Postfiliale vom Computergeschäft zu trennen. Denn die im CPM befindliche Postfiliale nutzten mittlerweile immer mehr Menschen, und es wurde immer deutlicher, dass mehr Lagerplatz für die Pakete und den reibungslosen Ablauf der Postgeschäfte nötig wurde.
Im Familienbetrieb Toujouti wurde also beratschlagt und beschlossen,  den Umzug der Postfiliale und gleichzeitig auch ein neues Geschäftsfeld, Schreibwaren, zu wagen. Und, ganz wichtig, behindertenfreundlich sollte der neue Laden werden.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen
Das helle und freundliche Geschäft in der Boppstraße 9 a hat nun zur Frauenlobstraße hin einen Schalter mit Klingel. Dort können sich beeinträchtigte Kund*innen und Eltern mit Kinderwagen von der Straße aus bedienen lassen. Und nicht nur das, sie genießen auch grundsätzlich das Privileg, bevorzugt bedient zu werden. Toujouti Junior berichtet, dass das sehr gut funktioniert und auch bei den Kund*innen im Laden auf hohe Akzeptanz stößt.

Bundesweit einzigartige Idee
Die Idee wurde auch von der Gebietsleitung der Deutschen Post bestaunt und gelobt. Dies ist die einzige Filiale bundesweit, die solch einen Schalter speziell für Menschen mit Beeinträchtigungen besitzt. Die Idee hat das Unternehmen so begeistert, dass es diese bundesweit zur Nachahmung empfehlen möchte.
Seit August 2019 freuen sich die Neustadt-Bewohner*innen nun über die neue Postfiliale in der Boppstraße/Ecke Frauenlobstraße. Sie stellt wie die Hauptpost alle Services der Post/DHL bis auf Postbank-Dienste zur Verfügung und ist sogar werktags durchgehend geöffnet, was bei vielen Postfilialen nicht der Fall ist.
Und das Schreibwarengeschäft, das bisher in der Neustadt fehlte, gibt es jetzt auch. Das Angebot der PAPIER- & STIFTEcke Neustadt ist ganz auf die Bedürfnisse von Schüler*innen und Student*innen zugeschnitten. Hier setzen die Toujoutis auf bewährte Marken wie Brunnen oder Oxford und Faber-Castell. Das Geschäft ist noch im Aufbau, deshalb sind die Inhaber für jede Kritik und Anregung dankbar. Das Sortiment wird laufend den Kund*innenwünschen angepasst und aktualisiert.
„Umweltschutz geht uns alle an“, beteuert der Junior. Deshalb ist auch das Recycling der Schreibmaterialien ein Thema. Die PAPIER- & STIFTEcke Neustadt ist Sammelstelle für nicht mehr benutzbare Schreibutensilien wie Kugelschreiber, Textmarker, Filzstifte und Korrekturmittel. Sie werden in einer Box im Laden gesammelt und dem Recycling zugeführt. Eine weitere gute und zeitgemäße Idee aus dem Hause Toujouti.  
PAPIER- & STIFTEcke Neustadt
Boppstr. 9 a/Ecke Frauenlobstraße
55118 Mainz
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 bis 18:30 Uhr
Sa. 9.00 bis 15.00 Uhr
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