Seite 4 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Allianzhaus als Galerie
Ein beachtenswertes Projekt des Künstlers Thilo Weckmüller

(ab) Am 22. August wird im Mainzer Allianzhaus die Ausstellung „Die Vitrine“ durch Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling eröffnet. Es ist eine ungewöhnliche Kreation des Mainzer Malers Thilo Weckmüller. Seine Motivation, seine Kunst mit der Welt zu teilen, und zugleich die damit verbundenen Einschränkungen durch die Pandemie haben ihn auf einen ungewöhnlichen Weg geführt. Dabei hat ihn die Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) mit einem großzügigen Angebot unter stützt. Das kommunale Unternehmen stellte ihm die Fenstervitrinen einer leerstehenden Räumlichkeit im Erdgeschoss des Allianz hauses ab sofort für Ausstellungen zur Verfügung.

Eine einzigartige Chance
Da die Ausstellungsfläche groß ist, will Thilo Weckmüller sie mit anderen Kreativen teilen: „Hier bietet sich mir und anderen Künstlern, die momentan keinerlei Möglichkeit haben, ihre Arbeiten für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen, eine einzigartige Chance. Ich freue mich, die leeren Fenster in den nächsten Monaten mit Kunst zu füllen und so einen Mehrwert für alle beteiligten Künstler und alle interessierten Kunstliebhaber und -sammler zu generieren.“ Als erste Partner eingeladen hat er den Bronzeguss-Künstler Pierre Yves Hauck und den Fotografen Michael Dörr. Ein Künstlergespräch ist für den 13. September um 17 Uhr eingeplant.

Die Frage, wie der Titel des Ausstellungsortes „Die Vitrine – Kunst im Glas“ entstand, erklärt Thilo Weckmüller schmunzelnd: „Die Schaufenster wirken wie Vitrinen, da sie auch an der Seite verglast sind. Zudem hat der Begriff ‚Vitrine‘ eine etwas angestaubte Anmutung. Passt ein bisschen zu der 50er-Jahre Eleganz des Allianzhauses. Und schließlich werden in Vitrinen oft wertvolle Gegenstände zur Ansicht aufbewahrt.“ Er erhofft sich, „dass ich mit diesem Projekt viele Menschen erreiche und auch Künstler dazu inspiriere, neue Schritte und Ideen zu wagen – in der Hoffnung, dass die Kunst in einer Zeit vieler Entbehrungen weiterhin am Leben bleibt.“

Ausstellungseröffnung:
22. August um 19 Uhr
Alllianzhaus, Große Bleiche 60 - 62
55116 Mainz



Corona-Initiativen in der Mainzer Neustadt
(oll) Die Neustadt ist hip, sie ist einzigartig und multikulturell. Hier entstehen Ideen, werden Unternehmen gegründet, leben jung und alt, neu und traditionell Tür an Tür. Kein Wunder, dass genau hier etwas passiert, wenn die Welt durch die Corona-Pandemie aus den Fugen gerät. Hier sind einige Initiativen entstanden, die trotz des Shutdowns Menschen zusammenbringen und zeigen, was Zusammenhalt in diesen Tagen bedeutet.

Die WG“ und das kreative Quarantänepotential
„Die WG“ ist eine Gruppe junger Menschen, die sich online unter dem Motto „Gemeinsam ist man weniger einsam“ treffen. In der Hochzeit der Kontaktbeschränkungen war Inga Thao My Bui allein in ihrer WG zurückgeblieben und wünschte sich Kontakt und Austausch mit anderen Menschen. Not macht bekanntlich erfin derisch. So kam es zur Gründung der digitalen „WG". Die „Bewohner“ kommen von überall her und treffen sich über eine App im „Wohnzimmer" zu entspannten Gesprächen. Früh morgens bietet My Frühsport im Videochat an, und in der „Küche" kann man sich im Livestream beim Kochkurs inspirieren lassen. Für Austauschstudenten gibt es einen internationalen Spieleabend, und einmal im Monat tragen Poetinnen und Poeten beim „Kreativen Quarantänepotential“ über eine Streaming-Plattform ihre Gedichte, Erzählungen und Lieder vor. My und ihre Truppe planen aktuell ein digitales „Lagerfeuer“. Das gesamte Programm der WG ist kostenfrei und jeder ist willkommen.

Pinke Distel: „Du bist mit Abstand am schönsten“ und „Solidaritüt“
Als klar wurde, dass der Einzelhandel schließen musste, wurde den Betreibern Yasmin Pinke und Mark Distel klar, dass ihnen ein großer Teil ihrer Einnahmen wegbrechen würde. Sie entschieden sich, aus eigener Kraft über die Runden zu kommen und sich mit ihren eigenen und den gesellschaftlichen Werten auseinanderzusetzen. Solidarität war dabei ein großes Thema. Da sie generell gerne mit Worten spielen, wurde die „Solidaritüt" geboren, ein Paket, welches man während der Kontaktsperre an seine Liebsten, Mitbewohner, Nachbarn etc. versenden konnte. Die Pakete, später auch als Jutebeutel zu haben, konnten nach Lust und Laune mit den Produkten der Pinken Distel bestückt werden und wurden direkt geliefert.

Die „Solidaritüt“-Betreiber bedankten sich mit einer T-Shirt Aktion für den großen Zuspruch. „Du bist mit Abstand am schönsten!“ lautete der Slogan auf den Shirts. „Wir hatten unerwartet eine relativ gute Zeit, was wir in Zeiten von Corona nicht gedacht hätten", erklärt Marc Distel, und um Menschen, denen es aktuell nicht so gut gehe, „unter die Arme zu greifen“, unterstützen sie mit einem Teil des Erlöses Kulturprojekte, aktuell zum Beispiel den Kulturclub Schon Schön.

Kochen für Helden Mainz
Als der Shutdown im März begann, überlegten sich Rebecca Reinhart vom „Luups Mainz“ und Verena Schmitt von „für Freunde“ in der Wallau straße welchen solidarischen Beitrag sie selbst leisten konnten. Die Gastronomiebetriebe wurden geschlossen, die Kontaktsperre verhängt und wer konnte, arbeitete im Homeoffice. Die Angehörigen „systemrelevanter" Berufe dagegen mussten das tägliche Leben aufrechterhalten. Da wurde die Idee „Kochen für Helden Mainz“ geboren: die Menschen in diesen Berufen mit einem warmen Essen oder einem leckeren Stück Kuchen zu erfreuen und dadurch ihren Tag ein wenig zu erleichtern. Verena und Rebecca sprachen mit Gastronomen, Köchen, Hotels, Zulieferern und möglichen Sponsoren. Schnell fand ihre Idee Anklang und sie hatten Unterstützer wie die „Supporters Mainz e.V.“ und ehrenamtliche Freiwillige, die mit anpackten. An drei Tagen in der Woche wurde gekocht, mittags ausgeliefert. Ihre Arbeit dokumentierten sie auf Instagram und Facebook, und die „Helden“ reagierten mit vielen Dankes-Posts auf ihren Social-Media-Seiten.

Rebecca und Verena planen, ihre Aktion nach der Sommerpause mit den erhaltenen Spenden fortzuführen. „Wenn man ins Kranken haus schaut, dann sieht man, dass die Versprechungen der Regierung so nicht eingehalten wurden. Wir wollen ein Zeichen setzen und ins Bewusstsein rücken, wie wichtig diese Berufe sind,“ so Verena. „Wir wollen die Initiative in die Zukunft tragen. Notstände in der Pflege, und nicht nur dort, gibt es schon lange und die Menschen brauchen keinen Applaus, sie brauchen mehr Personal.“ Die beiden erhoffen sich, dass alle weiterhin rücksichtsvoll miteinander umgehen und zusammenhalten  und  dass  die  Wertschätzung beste hen bleibt, die am Anfang der Krise für viele Berufe aufkam.

Mehr Informationen zu den Initiativen

Die WG:

Pinke Distel:  www.pinkedistelshop.de

Kochen für Helden Mainz:


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