Seite 4 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Marktplatz und viel mehr
Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de auf Erfolgskurs

(rei) „Verschenke Sofa“, schreibt Katharina aus der Uhlandstraße, Nachbarin Mira sucht zwei Blumentöpfe. Das sind typische Meldungen im Internet­Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de, über das der Neustadt­Anzeiger schon mal im Oktober 2016 berichtete. Hier lernen sich Nachbarinnen und Nachbarn kennen, tauschen sich aus, helfen sich gegenseitig. nebenan.de ist überaus erfolgreich, auch in Zeiten von Corona. Immer mehr Nachbarn melden sich kostenlos an und machen mit.

Nur echte Nachbarn
Das Prinzip bei nebenan.de ist, dass sich wirk­lich nur Menschen aus der näheren Umgebung in ihrer Nachbarschaft anmelden können. So gibt es in der Neustadt gleich zwei Gruppen: Neustadt-­West mit fast 900 Teilnehmenden und Neustadt-­Ost mit rund 820. Bundesweit sind es nach Angaben von nebenan.de mehr als 8.000 aktive Nachbarschaften mit mehr als 1,7 Mil­lionen Mitgliedern. Alle treten mit ihren echten Namen auf, nicht mit einem Pseudonym. Die bei der Anmeldung angegebenen Adressen wer­den überprüft. So kann jeder direkt und vertrau­ensvoll Kontakte knüpfen.

Veranstaltungen, Gruppen, Marktplatz
In der jüngeren Vergangenheit hat sich nebenan.de als privater Marktplatz in der Nach­ barschaft etabliert. Alles Mögliche wird zum Kauf angeboten: gebrauchte Möbel, Haushalts­waren, Kunst. Vieles wird verschenkt, manche geben eine Suchanzeige auf. Laufgruppen organisieren sich über die Plattform ebenso wie Alleinerziehende oder Bastelfreunde.

Höflicher Umgang und keine Trolle
Bei nebenan.de helfen sich die Menschen gegenseitig und pflegen in aller Regel einen normalen, höflichen Umgangston. Pöbeleien oder Anfeindungen gibt es ebenso wenig wie Hassbotschaften. Das Netzwerk legt nach eige­nen Angaben besonderen Wert auf den Daten­ schutz und schließt „ganz bewusst ein Geschäftsmodell aus, das auf der Vermarktung von Nutzerdaten basiert“. Man setze auf Spar­samkeit im Umgang mit den Daten und ver­zichte darauf, „Daten personenbezogen auszu­werten, auf dieser Basis Werbung auszuspielen und diese Informationen an Dritte weiterzuge­ben.“ nebenan.de ist die einzige TÜV-­geprüfte Nachbarschaftsplattform.

Aktionen geplant
Zum vierten Mal ist der „Tag der Nachbarn“ geplant, diesmal für den 28. Mai. Hier sollen Nachbarn mit vielen kleinen und großen corona­konformen Aktionen ein Zeichen für Hilfsbereitschaft und nachbarschaftlichen Zusammenhalt setzen. Auch im vergangenen Jahr war der Tag bereits von Corona geprägt. Dennoch gab es viele Aktionen. So wurden Jute-­Beutel verschickt, die man mit kleinen Leckereien füllen und als Überraschung an die Tür der Nachbarwohnung hängen konnte. Auch wurden Blumengrüße verschenkt oder Post­karten zur Aufmunterung der Nachbarschaft ausgedruckt.

Finanzierung und Geschäftsmodell
nebenan.de ist kostenlos und es gibt keine auf­ dringliche Werbung zwischen den Anzeigen der Mitglieder. Die Plattform wurde 2015 in Berlin gegründet und finanziert sich unter anderem durch freiwillige Förderbeiträge. Außerdem können lokale Geschäfte gegen eine Gebühr Anzeigen bei nebenan.de schalten, die dann in einem extra Bereich gezeigt werden. In einem anderen gesonderten Bereich können auch Städte und Gemeinden gezielt Anwohner über Aktivitäten informieren und dafür bezah­len. Hinter nebenan.de steht das Berliner Unternehmen Good Hood GmbH, in das die Hubert Burda Media im August 2020 mit einem zweistelligen Millionenbetrag eingestiegen ist und dort seither die Mehrheit hält.

Kritik an der Plattform
Derzeit hat nebenan.de nach eigenen Angaben nicht vor, die Daten der Nutzer zu verkaufen. Das kann sich aber ändern. Finanzexperten gehen davon aus, dass Burda langfristig mit seinem Investment Geld verdienen möchte. Daher sollte jeder Nutzer genau ins Klein­gedruckte schauen, wenn in einer E-­Mail Änderungen der Nutzungsbedingungen ange­kündigt werden.

Kontakt:




Der BiNenschwarm ist umgezogen
Präsenz-Hausaufgabenbetreuung in Coronazeiten

(sh) Das Bildungsnetzwerk Mainz (BiNe) ist ein Verein, der sich seit 2010 für sozial benach­teiligte Kinder und Jugendliche einsetzt. Das Angebot besteht aus einer kostenlosen Haus­ aufgabenbetreuung und Nachhilfe. Aktuell enga gieren sich 54 Ehrenamtliche an fünf Mainzer Standorten für mehr Chancen gleich­ heit im Bildungsbereich: im Neustadtzentrum, in der Gemeinschaftsunterkunft Zwerchallee, der Grundschule Zahlbach, der Martin-­Luther­-King-­Grundschule und der IGS Anna Seghers. Wegen der Corona-­Pandemie läuft zurzeit nur das Projekt im Neustadtzentrum und das in der Gemeinschaftsunterkunft Zwerchallee nur digital.

Der Mainzer Neustadt­Anzeiger hat sich mit dem Teamleiter des Projekts im Neustadt­zentrum, Frederik Hiery, und Theresa Dicks, Mitglied im Vorstand von BiNe, über die Herausforderungen in Corona­Zeiten unterhal­ten. Beide engagieren sich seit Längerem für BiNe ehrenamtlich, „hauptamtlich“ studieren sie Soziologie sowie Geschichte, Mathematik und Sozialkunde.



Neustadt-Anzeiger: Wie war es im letzten Jahr für Sie, die Hausaufgabenbetreuung unter Corona-Maßnahmen zu gewährleisten?
BiNe: Das war eine große Herausforderung für uns, weil es vor allem die Kinder sind, die besonders unter Corona leiden. Vor Corona hatten wir ein offenes Konzept, bei dem die Schülerinnen und Schüler von Montag bis Donnerstag zwischen 16 und 18 Uhr einfach nach Zeit und Lust kommen konnten. Nun aber mussten wir schauen, wie wir die Corona­ Verordnungen einhalten. In Absprache mit dem Neustadt zentrum, mit dem wir sehr eng zusam­menarbeiten, konnten wir einer festen Gruppe von Kindern ein Angebot machen. Ab dem 4. Mai 2020 konnten wir trotz Beschränkungen eine sogenannte Notbetreuung an zwei Wochen tagen anbieten. Nach den Sommer­ferien bis Mitte Dezember konnten dann mon­tags bis donnerstags täglich sieben Kinder mit Anmeldung betreut werden. Wir haben uns gefreut, dass sich genügend Betreuerinnen und Betreuer dafür gemeldet hatten.

Was hat sich geändert in diesem Jahr?
Seit dem 18. Januar 2021 kann BiNe wieder eine Hausaufgabenbetreuung anbieten, und zwar in den neuen Räumen in der Adam­-Karrillon­-Straße 23. Allerdings ist aufgrund der Corona­Verordnung nur eine 1:1­Betreuung möglich, das heißt, ein Betreuer kümmert sich jeweils für eine Stunde um einen Schüler. Wegen der großen Nachfrage hat BiNe seine Arbeit auf freitags ausgeweitet. Insgesamt kön­nen nun etwa 15 Schülerinnen und Schüler pro Woche betreut werden. Alles natürlich unter coronakonformen Bedingungen, mit Masken und Trennwänden aus Plexiglas. Daneben bie­tet übrigens auch das Neustadtzentrum seit dem letzten Jahr eine eigene Hausaufgabenbetreu­ung von 14 bis 16 Uhr an für die jüngeren Kinder im Grundschulalter.

Wie läuft das mit den Anmeldungen und wie sieht die Situation aktuell am neuen Standort aus?
Die Anmeldungen kommen fast ausschließlich über die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Schulen, da diese das Kindeswohl immer im Blick haben und einen guten Überblick über die Fälle, in denen Kinder „abgehängt“ werden und großen Betreuungsbedarf haben. Das Neustadtzentrum kümmert sich um die ganze Logistik. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich über ein Formular auf der Internetseite des Neustadt zentrums anzumelden.

Wenn die Kinder allerdings tagesaktuell ein schulisches Problem haben, können sie in der momentanen Situation nicht mehr spontan kommen wie vorher in der offenen Hausauf­gaben betreuung. Dafür haben wir jetzt wegen der festen Gruppen einen besseren Überblick, wo die Kinder schulisch stehen.

Sowohl für den Leiter und die Sozialarbeiter des Neustadtzentrums als auch für die Betreu­ungskräfte von BiNe laufen derzeit Absprachen und Vor berei tungen für die 1:1-­Betreuung sehr viel zeitaufwändiger. Auch muss in Corona­-Zeiten die persönliche Situation der Betreuer berücksichtigt und die Verfügbarkeit der Studierenden einzeln abgesprochen werden. Viel Engagement für die Kinder in unserer Neustadt!

„Werde Teil des Schwarms!“
BiNe sucht Ehrenamtliche, die mit ca. zwei Stunden pro Woche eines seiner Projekte unterstützen möchten. Bei Interesse senden Sie eine E-Mail an:

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