Seite 4 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Die Kaiserstraße trennt zwei Königskinder
Neustadt und Altstadt sollen besser verknüpft werden



(rei) Wer in der Altstadt in der City einkauft, findet selten den Weg in die Geschäfte der Neustadt. Umgekehrt empfinden viele aus der Neustadt die vierspurige Kaiserstraße als Hürde, die sie nur schwerlich nehmen können. „Da muss sich was ändern“, dachten sich Karsten Lange vom Gewerbeverein Mainz-Neustadt und Dieter Grünewald von der Interessengemeinschaft Mainzer City-Carré. Jetzt haben beide erste Ideen einer City-Achse vorgestellt und gezeigt, wie die Hürde genommen werden könnte.

Der Ist-Zustand
Am Ende der Boppstraße laden nur wenige Geschäfte zum Bummeln ein. Wer dann tatsächlich die Kaiserstraße überquert, mag auf der anderen Seite die Neubrunnenstraße auch nicht besonders attraktiv finden. Keine Bäume, Autoverkehr, Parkplätze entlang der Straße, eine grüne Flaniermeile für Fußgänger sieht anders aus. Die Schätze, wie etwa das denkmalgeschützte Neubrunnenbad, sind versteckt und werden kaum wahrgenommen.

Ideen und Pläne
Lange und Grünewald denken über ihren jeweiligen Stadtteil hinaus und sprechen von einer City-Achse, die von der Trinkhalle an der Boppstraße über die Neubrunnenstraße und Lotharstraße bis zur Römerpassage reichen könnte. So könnten beide Stadtteile verknüpft werden. Um die Hürde der Kaiserstraße abzubauen, soll die Mittelinsel der Kaiserstraße zwischen der Kreuzung und dem Stadthaus aufgewertet werden. Karsten Lange stellt sich im Bereich des Spielplatzes einen Ort zum Verweilen vor, etwa ein Eiscafé oder andere Außengastronomie  mit  Sitzgelegenheiten. Damit sei der halbe Weg in den benachbarten Stadtteil bereits überwunden. Dieter Grünewald hört immer wieder Wünsche der Einzelhändler nach einer Aufwertung der Neubrunnenstraße mit mehr Grün. Die könnte im Zuge der Umgestaltung gleich mit angegangen werden.

Landesgartenschau als Chance
Die Landesgartenschau 2026 soll ja nicht nur das Rheinufer verschönern, es soll dabei auch in der Stadt mehr Grün geben. Die Idee: So könnte im Bereich der sogenannten „Haschwiese“ hinter dem Stadthaus ein SchUM-Garten entstehen, mit großen Natursteinen und Bildinstallationen, die thematisch das jüdische UNESCO-Welterbe aufgreifen. Auch könne so der soziale Brennpunkt an der Stelle entschärft werden, sagt Karsten Lange.

Verkehrsführung freundlicher gestalten
Zwischen Boppstraße und Neubrunnenstraße gibt es beim Überqueren der Kaiserstraße zwischen Radfahrern und Fußgängern – freundlich ausgedrückt – zahlreiche Berührungspunkte. Das könnte nach den Ideen des Gewerbevereins Mainz-Neustadt und der Interessengemeinschaft Mainzer City-Carré durch eine Änderung der Verkehrsführung entschärft werden. Der Autoverkehr nutze Richtung Innenstadt häufig die Umfahrung beim Stadthaus, daher könne die Fahrspur über die Kaiserstraße vom Fahrradverkehr genutzt werden. Für die Neubrunnenstraße zwischen Kaiserstraße und Hintere Bleiche wäre die Einrichtung einer Fahrradstraße eine Chance für eine Aufwertung, sie könnte dann stärker von Radlern und von Fußgängern genutzt werden. Mehr Grün auf beiden Seiten der Kaiserstraße würde die Menschen stärker in den jeweils anderen Teil der Stadt locken, hofft Karsten Lange.

Bei der Stadtverwaltung stoßen die Pläne auf fruchtbaren Boden. Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz begrüßt die Initiative sehr. Sie finde es positiv, dass es Gedanken gebe, wie die beiden Stadtteile noch weiter zusammenwachsen können und wie sich die Barriere Kaiserstraße schließen lasse, sagte Matz dem Neustadt-Anzeiger. Die Überlegungen seien gerade für den Handel und die Gastronomie sinnvoll und spannend. „Viele der vorgestellten Ideen sind richtig interessant. Ob diese dann tatsächlich umgesetzt werden können, muss im Einzelnen geprüft werden“, so Manuela Matz.

Bleibt also zu hoffen, dass die beiden Königskinder Neustadt und Altstadt doch noch zusammenkommen können, anders als in der bekannten Volksballade.


EinKlang – neue Impulse für die Musikszene
Eine Klangkiste erobert die Herzen der Mainzer Technofans in der Neustadt

(jm) Manchen Anwohnerinnen und Anwohnern der Neustadt wird in den vergangenen Wochen aufgefallen sein, dass, ob im Goethepark oder neuerdings am Rheinufer, gelegentlich ein dumpfer Bass zu vernehmen war. Näherte man sich diesem Bass, erkannte man ein DJ-Pult auf Rädern, um welches sich eine Vielzahl junger Menschen versammelt hatte und ausgelassen zu Technomusik tanzte. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um ein sogenanntes Künstlerkollektiv, sondern um einen neuen „Verein zur Förderung von Kultur und elektronischer Musik“. Mit Andreas Rauda, gebürtiger Mainzer und erster Vorsitzender von „EinKlang“ – so der Name des Vereins –, spreche ich über den Verein und über kulturelle Angebote in Mainz sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf junge Menschen.

Gibt es für junge Menschen ausreichend Kulturräume?
Die Idee zum Projekt entstand bereits im Laufe der Pandemie, so richtig an Fahrt aufgenommen hat der Verein aber erst mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen seit Ende Juni. Auch wenn Corona den Prozess des Clubsterbens in Mainz noch einmal verstärkt hat, ein Rückgang von Kulturräumen, besonders für junge Menschen, war bereits vor der Pandemie zu beobachten. Besonders für Techno fans ist das Angebot seit der Schließung der „Planke Nord“ zunehmend eingeschränkt. Laut Rauda habe sich die Stadt in den letzten Jahren zu sehr auf eine optische Aufwertung und zu wenig auf kulturelle Angebote fokussiert: „Im Bereich der Kultur fehlt es an transparenter Kommunikation und Planung.“ Es sei wichtig, neue Konzepte besonders für junge Menschen zu entwickeln, für die solche kulturellen Events besonders ausschlaggebend zur Bildung sozialer Strukturen und zur Persönlichkeitsentwicklung sind.

Philosophie und thematische Schwerpunkte
Hier sieht sich „EinKlang“ als Teil der Antwort. Besonders nach einem Jahr, das von Verzicht und Social Distancing gekennzeichnet war, möchte der Verein jungen Mainzerinnen und Mainzern die Gelegenheit geben, Interessen zu bündeln, wieder etwas ausgelassener zu feiern und Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform zu bieten. Zusätzlich möchte sich der Verein auch für soziale und politische Themen wie kulturelle Verständigung, Gleich berechtigung, Nachhaltigkeit und Umwelt stark machen. Laut Rauda versteht „EinKlang“ die Techno-Events als „Teil eines Mainzer Lebensgefühls, in welchem sich sowohl Marktfrühstück als auch solche Musikveranstaltungen nahtlos in den urbanen Raum einfügen können.“ Der öffentliche Raum solle dabei selbstverständlich respektiert werden und auf Beschwer den der Anwohnerinnen und Anwohner werde geachtet. Genauso wichtig ist für Rauda natürlich die Einhaltung der Corona-Maßnahmen. Er sieht es als eine Grundverantwortung des Vereins, das Infektionsgeschehen nicht negativ zu beeinflussen, weshalb die Veranstaltungen beispielsweise auch im Freien stattfinden.

Pläne für die Zukunft
Bis zum 11. August liefen noch Gespräche mit den entsprechenden Behörden, seitdem ist der Prozess zur Anerkennung als eingetragener Verein erfolgreich abgeschlossen. Finanziert wird das Projekt durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Es geht für Rauda und die restlichen Mitglieder jedoch nicht um Gewinn, sondern um die Events und die Kulturarbeit an sich. „EinKlang“ sei kein kommerzieller Veranstaltungsdienstleister, daher können Events immer nur im Rahmen der zur Verfügung stehenden Ressourcen und Mitglieder stattfinden, erklärt Rauda. Aktuell werden die Veranstaltungen über den Instagram-Kanal des Vereins bekanntgegeben. Ziel ist es, die bestehenden Strukturen zunächst in der Neustadt zu etablieren. Perspektivisch soll aber, wenn möglich, ganz Mainz und das gesamte Rhein-Main-Gebiet miteingeschlossen werden. Bis dahin freut sich der Verein natürlich über alle Teilnehmenden und Beiträge, damit die Kulturarbeit in der Region in Angriff genommen werden  kann.  So soll die Neustadt im Corona-Sommer 2021 und in den kommenden Jahren wieder ein Stück mehr Lebensgefühl erhalten.


EinKlang e.V.
Verein zur Förderung von Kultur und elektronischer Musik in Mainz und im Rhein-Main-Gebiet
Andreas Rauda
Kontakt über Instagram: einklang.ev

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