Seite 4 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

Direkt zum Seiteninhalt
NeustART
Kunst im Stadtteilbüro mit Kindern der Neustadt

(th) Zum einjährigen Bestehen des Projekts NeustART wird es von Juli bis September eine ganz besondere Ausstellung im Stadtteilbüro der Sozialen Stadt in der Neustadt geben. NeustART ist ein Kunstprojekt, welches Künstler: innen der Neustadt die Möglichkeit gibt, ihre Kunst im Stadtteil zu präsentieren. Alle drei Monate zeigen andere Kunstschaffende ihre Werke. Um auch die jüngsten Künstler:innen der Neustadt einzubinden, werden in diesem Vierteljahr Kunstwerke von Kindern ausgestellt. Die Ausstellung trägt den Titel „Mein Leben in der Neustadt“.

Die Idee für diese besondere Ausstellung entstand im Rahmen des Festjahres. „Wir wollen alle Bürger:innen der Neustadt einbinden, jung und alt. So kam uns die Idee einer Sonderausstellung bei NeustART und wir haben uns sehr über die tollen Kunstwerke der Kinder gefreut“, so Toyah Hosni.

Bis Mitte Juni sammelte das Quartiermanage ment Bilder von Kindern des Stadtteils. Das Ergebnis kann von Juli bis September in den Räumlichkeiten der Sömmerringstraße 35 bestaunt werden.

Das Quartiermanagement lädt Sie herzlich ein, vorbeizukommen. Die Vernissage zur Ausstellungseröffnung soll am 5. Juli 2022 stattfinden. Besichtigungstermine sind aber auch den Sommer über in Absprache mit dem Quartiermanagement möglich.
„Es geht uns nicht nur ums Haareschneiden“
Der Friseursalon Bauer feiert 125-jähriges Bestehen

(sk) Nicht nur die Neustadt feiert dieses Jahr ein besonderes Jubiläum, auch das älteste Friseurgeschäft der Stadt Mainz, der Salon Bauer, begeht einen außergewöhnlichen Jahrestag. Vor 125 Jahren, am 1. April 1897, wurde er eröffnet. Jürgen Falkenstein, der Inhaber des in fünfter Generation familiengeführten Damen- und Herren-Salons, hat sich mit der Historie seines Familienunternehmens beschäftigt und in Archiven geforscht.

Heute befindet sich das Geschäft in der Neubrunnenstraße 14, gegründet wurde es aber in der Großen Langgasse 9. Dort hatte Jürgen Falkensteins Urgroßvater Leonhard Bauer, ein Friseurmeister aus dem Odenwald, zusammen mit seiner Frau Lena 1897 seinen Friseursalon eröffnet. Jürgen Falkenstein hat anhand alter Geschäftsunterlagen festgestellt, dass der Salon schon damals fast dieselbe Telefonnummer wie heute hatte, zur 23389 ist vorne nur noch eine 2 hinzugekommen.

Danach war der Laden vorübergehend in der Kleinen Langgasse ansässig, an der Ecke wo heute das „Sixties“ ist, bevor man in die Gärtnergasse 14 im Bleichenviertel umzog. Dort entwickelte sich trotz des 1. Weltkrieges und der Weltwirtschaftskrise ein gut gehendes Friseurgeschäft. Das Gebäude, und somit auch der Salon, wurde am 27. Februar 1945 durch die Luftangriffe auf Mainz zerstört. Glücklicherweise überlebten seine Mutter Waltraud und Großmutter Christine Bauer samt Personal den Bombenhagel im Kupferberg, der damals als Luftschutzbunker diente.

Neuanfang
Christine Bauer wagte 1947 den Neuanfang – erst auf der Hinteren Bleiche, 1948 dann am jetzigen Standort in der Neubrunnenstraße. Sie erwarb das Trümmergrundstück von der Familie Fillinger, die an dieser Stelle vor dem Krieg ebenfalls ein Friseurgeschäft geführt hatte. Diesen fehlte aber die Kraft, ihre Existenz wieder neu aufzubauen, unter anderem weil sie beide Söhne im Krieg verloren hatten.  

In der Nachkriegszeit wohnte Familie Bauer im Keller des Gebäudes – jetzt befindet sich dort die Waschküche und ein Aufenthaltsraum für die Angestellten. Als dann in den 1950er Jahren auf das Gebäude weitere Etagen aufgesetzt wurden, zog die Familie aus dem Keller in den 2. Stock um.

Ein besonderer Einrichtungsstil
Noch heute findet man im Salon die restaurierte Originaleinrichtung der 1950er Jahre: eine in Messing eingefasste Schaufensterscheibe, aufgearbeitete Frisierstühle vor Waschbecken in rosa, gelb und blau sowie Kabinen, bei denen man bei Bedarf auch noch Vorhänge zuziehen kann. Diese Privatsphäre wird von vielen Kunden geschätzt; bekannte Mainzer Persönlichkeiten kommen deswegen gerne in den Salon Bauer, um sich ungestört frisieren zu lassen.

Der Retrostil ist zu einem Markenzeichen des Friseursalons geworden. Jürgen Falkenstein beobachtet des Öfteren überraschte Blicke, wenn die Passanten an seinem Geschäft vorbeikommen und die ungewöhnliche Einrichtung durch das Schaufenster sehen. Während der Pandemie waren diese Kabinen als Hygieneschutz sehr hilfreich und hinterließen auch beim Mainzer Gesundheitsamt Eindruck.

Jürgen Falkenstein erzählt, dass sich seine Eltern Waltraud Bauer und Hubert Falkenstein auf der Friseurmeisterschule in Düsseldorf kennengelernt haben und verrät, dass sein Vater eigentlich auf Wunsch der Eltern Drogist werden sollte. Drogerien hatten ein größeres Warenangebot und die Verdienstmöglichkeiten in der Nachkriegszeit waren dort wesentlich besser. Da Hubert Falkenstein aber unbedingt die Familientradition fortführen wollte – auch dessen Vater war Friseurmeister – begann er die Ausbildung zum Friseur erst einmal heimlich. 1958 legte er erfolgreich die Prüfung ab, wurde auf der Schule Fachlehrer und verliebte sich dort in Waltraud Bauer. 1960 heirateten die beiden und Hubert Falkenstein stieg im Salon Bauer ein.

Jürgen Falkenstein selbst machte 1988 auf derselben Friseurfachschule seinen Abschluss und genauso wie sein Vater, lernte er dort seine Frau Elke kennen. Tochter Marie, die schon als Kind im Salon ausgeholfen hat, hat bereits die Meisterprüfung absolviert und wird die Familientradition weiterführen. Und vielleicht übernimmt auch irgendwann die 6. Generation das Geschäft – Marie Falkenstein ist vor kurzem Mutter einer Tochter geworden.

Wertschätzung
Dem Inhaber ist eine familiäre Arbeitsatmosphäre wichtig. Seine Mitarbeiterinnen, die teilweise schon über 40 Jahre bei ihm arbeiten, sollen sich wohl fühlen und gut ausgebildet sein. Dafür ist er bereit, übertariflich zu zahlen. Wie in vielen anderen Handwerksbranchen, hat auch Jürgen Falkenstein Probleme, neue Auszubildende zu finden. Das liegt seiner Ansicht nach auch daran, dass seiner Branche wenig Wertschätzung entgegengebracht wird und dass die Kunden nicht bereit sind, Geld für einen guten Haarschnitt auszugeben.

Der Friseurmeister legt großen Wert darauf, dass sein Personal nicht nur das Handwerk beherrscht, sondern auch weiß, welche Mode gerade aktuell ist, wie Prominente frisiert sind oder einen Blick dafür hat, wie man mit einer passenden Frisur das Optimale aus einer Person herausholen kann. Auch Verschwiegenheit und Einfühlungsvermögen sind ihm wichtig, denn oft vertrauen ihnen die Kundinnen und Kunden ihre Probleme an.

„Nicht nur die Haare unserer Kunden wachsen, auch unsere Beziehungen zu ihnen“, sagt Jürgen Falkenstein „Wir begleiten sie durch Freud und Leid. Und das schon seit vielen Generationen.“ Wenn ihm jemand erzählt, dass er oder sie bereits von seinen Eltern oder Großeltern frisiert wurde, dann macht ihn das sehr stolz auf seinen Familienbetrieb, und er freut sich über die treue Kundschaft.

Besucherzaehler
Zurück zum Seiteninhalt