Seite 5 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Januar 2020
    
Abschied nach 35 Jahren
Chorleiter und Gründer Wolfgang Sieber übergibt sein Ensemble Vocale Mainz



(rei) Eine Ära geht zu Ende. Diesen Satz möchte Wolfgang Sieber am Liebsten so nicht stehen lassen. „Es geht ja weiter mit dem Chor“, sagt er bescheiden. Es gab nicht nur diverse Bewerber, sondern der Chor hat sich auch schon für einen Nachfolger entschieden. Er heißt Johannes Herres und wird den Chor in bewährter Weise fortführen. Die ersten Proben unter der neuen Leitung haben bereits Anfang November stattgefunden.  

Emotionaler Abschied
Das Abschiedskonzert Ende Oktober 2019 in der brechend vollen Pfarrkirche St. Bonifaz war bewegend. „Da ist schon die eine oder andere Träne geflossen“, erinnert sich Sieber. Und beim letzten Programm unter seiner Leitung konnte der Kammerchor nochmal so richtig zeigen, welches Potential in ihm steckt und wie vielseitig sein Repertoire ist. Die Bandbreite reichte bei den Komponisten von Palestrina über Beethoven bis Pärt, bei den Werken von Kirchenmusik bis zu Liebesliedern. Diese Vielfalt macht das Ensemble Vocale Mainz so besonders. Am Ende gab es minutenlangen, stürmischen Applaus, der nicht enden wollte, für die Leistung des Chors, aber besonders für Wolfgang Sieber.  
Nach dem Konzert bedankte sich die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats für die jahrzehntelange kirchenmusikalische Arbeit. Im Anschluss hielt der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling eine kleine Dankesrede und überreichte einen historischen Stich, der die Villa Musica zeigt. Pater Johannes Bunnenberg OP dankte in Vertretung des Mainzer Bischofs Kohlgraf und übergab eine Urkunde. Ehemalige und aktuelle Mitglieder des Chors hatten zahlreiche Blumen und Geschenke dabei. Viele Geschichten aus den vergangenen 35 Jahren wurden erzählt. Ein würdiger Abschluss eines grandiosen Abends und ein passender Abschied für den angesehenen Chorleiter. „Eigentlich wollte ich schon zum 30. Jubiläum des Chors aufhören“, erinnert sich Sieber. „Dann zu meinem 70. Geburtstag, jetzt aber muss es sein.“ Zu den vielen Höhepunkten der vergangenen 35 Jahre zählt er neben den Konzerten und den Reisen einige Uraufführungen sowie Rundfunk- bzw.  CD-Aufnahmen.  

Klein angefangen
Aus einer einmaligen Begebenheit im Jahr 1984 entstand die Idee für den gemischten Kammerchor. Ein Mitabiturient heiratete damals und Sieber brachte mit Freunden ein Ständchen. Schnell war klar: Das macht so viel Spaß, das muss weitergehen. Und so gründete Sieber das Ensemble Vocale Mainz. Ohne Träger, ohne festes Budget. Proben, Konzerte, Aufnahmen, Reisen, alles hat Sieber ehrenamtlich organisiert. So flossen sämtliche Einnahmen und Spenden direkt in die Chorarbeit. Ohne Sieber, ohne seinen maßgeblichen Einsatz, ohne seine Akribie wäre der ambitionierte Chor nicht das, was er heute ist: ein unverzichtbarer Bestandteil der Mainzer Chorlandschaft.  
Sieber verlangte viel von den Mitgliedern des EVM, wie es kurz genannt wird. So gab es jeden Mittwoch eine zweieinhalbstündige Probe im Pfarrsaal der katholischen Pfarrgemeinde St. Bonifaz, bei einem Repertoirewechsel wurde zusätzlich ein ganzes Wochenende geprobt. Die Mitglieder kommen zu den Chorproben aus der gesamten Region und darüber hinaus, und das seit Jahren. Einige der Sängerinnen und Sänger sind seit Jahrzehnten dabei und alle arbeiteten gerne mit Sieber. „Ohne solch enge, freiwillige Bindung wären diese 35 Jahre nicht machbar gewesen“, resümiert der Chorleiter dankbar.

Bleibt der Musik treu
Sieber kam schon früh mit Musik und Chorgesang in Berührung, er war als Kind Mitglied bei den Regensburger Domspatzen. Später folgten Musikabitur und ein Musik-Studium. Er wurde Lehrer für Deutsch und Musik und wirkte anschließend selbst in der Universität Regensburg an der Ausbildung von neuen Musiklehrern mit. 1981 suchte er sich eine neue Herausforderung und wechselte zum ZDF nach Mainz, später zum Hessischen Rundfunk nach Frankfurt. Doch in Mainz fühlt er sich zuhause, ist bestens vernetzt, füllt in seinem Ruhestand zahlreiche Ehrenämter aus. Auch wenn ihm das EVM sicher fehlen wird, unterstützt er die Musik auf vielfältige Weise: so ist er im Vorstand des gemeinnützigen Fördervereins „pro musica e. V.“ aktiv, wirbt weiter für Chor-Spenden, arbeitet aktiv im Vorstand des Orgelvereins Mainz-Neustadt e. V. und widmet sich einer ganz neuen musikalischen Herausforderung: Von der Familie bekam er ein Alphorn geschenkt. Der Chor hat ihm zum Abschied unter anderem jetzt die ersten Unterrichtsstunden für dieses Instrument „spendiert“. Trotz der vielen Anforderungen wird er aber immer als Gast bei den Konzerten „seines‘ EVM zu finden sein.

Mehr Informationen unter: www.ensemble-vocale-mainz.de

    
Der Name zur Straße:


Pilgern und Pietà, Prozessionen und Prozesshaftes

(kk) Der Emausweg verbindet Wallau- und Sömmeringstraße in der nördlichen Neustadt, die sich in nächster Zukunft stark verändern wird. Hier entsteht rund um den neuen Quartiersplatz ein ganz neues Wohngebiet.

Pilgern – Herkunft und Bedeutung des Namens
Emaus oder auch Emmaus bedeutet im Hebräischen „warme Quelle“ und ist ein geläufiger Ortsname oder Namenszusatz. Manche Menschen kennen ihn aus dem Lukas-Evangelium: Dort ist die Rede von einem Ort Emmaus in der Nähe von Jerusalem. Nach Jesus‘ Tod machen sich einige Jünger auf den Weg dorthin. Unterwegs begegnen sie einem Mann, den sie im späteren Verlauf als den auferstandenen Messias erkennen. Auf diesen „Emmausgang“ sollen unsere heutigen Osterspaziergänge ebenso zurückgehen wie das süddeutsche oder österreichische „Emmauspilgern“ am Ostermontag, der deshalb auch „Emmaustag“ genannt wird.

Prozessionen - Warum es hier einen Emausweg gibt
Geistlich geprägte Umzüge und Prozessionen verliefen früher auch durch den Mainzer Emausweg. Sie führten vom Stift Alt-St. Peter, das sich bis Mitte des 17. Jahrhunderts ungefähr am heutigen 117er Ehrenhof befand, in die Nähe des späteren Zoll- und Binnenhafens zur St. Theonest-Kapelle, die im 16. Jahrhundert abgerissen wurde. Hinweise auf diese Kapelle, so genannte Papstbullen, wurden gerade in diesen Tagen bei den aktuellen Bauarbeiten rund um den Emausweg entdeckt.

Prozesshaftes - Wie sich der Emausweg verändert
Damals wie heute ist im Emausweg und um ihn herum vieles in Bewegung. In der nördlichen Neustadt entsteht ein neuer Quartiersplatz, so wie ihn schon der legendäre Stadtbaumeister Eduard Kreyßig geplant hatte, wenn auch an anderer Stelle. Darüber hinaus wird es rund um den Platz ein neues Wohngebiet geben mit bis zu 500 neuen Wohneinheiten, Geschäftsräumen und sozialen Einrichtungen – also ein Mischgebiet, ähnlich dem, das laut Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz schon früher hier stand.

Im Zuge dessen werden sich auch Wallaustraße und Emausweg verändern. Für Letzteren sieht der Bebauungsplan einen verkehrsberuhigten Bereich vor, damit Eltern und Kinder sicher zur Kindertagesstätte Emausweg kommen können. Gleichzeitig soll weniger Straßenverkehr für mehr Wohnqualität und eine verbesserte Barrierefreiheit sorgen.

Pietà - Emmaus ist überall
Der Emausweg ist nicht nur der Name einer Mainzer Straße. Er ist auch im übertragenen Sinn das Motto der Emmaus-Bewegung, die im Namen der barmherzigen Nächstenliebe (Pietà) Armut und Obdachlosigkeit bekämpft. 1949 begründete sich das Sozialwerk aus der Arbeit für Wohnungslose der Emmaus-Bruderschaft bei Paris. Treibende Kraft war der katholische Priester und Kapuziner Henri Antoine Grouès, besser bekannt als Abbé Pierre. Heute hat die unabhängige Wohltätigkeitsorganisation in über 30 Ländern, auch in Deutschland, Vertretungen, die alle der Dachorganisation Emmaus International angehören. Ihr Ziel ist es, Menschen, die von Armut, Krankheit, Obdachlosigkeit und Einsamkeit betroffen sind oder gerade aus dem Gefängnis kommen, auf ihrem ganz persönlichen Emmaus-Weg zurück in die Gesellschaft zu unterstützen.

Übrigens: Nicht nur Mainz hat eine Neustadt mit einem Emmaus-Bezug. In der Neustadt der tschechischen Hauptstadt Prag steht das Emmaus-Kloster, das seine Weihe im 14. Jahrhundert erhielt – natürlich am „Emmaustag“.
Infos über
Emmaus International
in Deutschland in englischer Sprache unter
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