Seite 5 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Kunst aus der Dose
Leif-Eric Möller sprüht Mainz bunter

(lf) Er ist kein toy mehr, bevorzugt den realistic-style und taggt seine characters mit „Leiflines“. Die Rede ist von Leif-Eric Möller, einem Graffit-Sprüher aus Mainz, dessen Werke auch in der Neustadt zahlreich zu bestaunen sind. Leif bemalt, so nennt er seine Leidenschaft, Wände, Stromkästen und Trafostationen und ist mittlerweile eine regionale Berühmtheit, bei Weitem also kein toy, graffitisch für Anfänger, mehr. Er ist immer offen für neue Projekte, seine Auftragsbücher sind gut gefüllt, denn Vielen gefällt seine Kunst. Er persönlich fremdelt etwas mit diesem Begriff: „Darin steckt zwar unterschwellig Lob, doch so sehe ich mich gar nicht.“

Er erfülle zumeist Aufträge, bei denen man eher unfrei sei: „Künstler leben sich komplett frei aus“, sagt er, „ich bekomme das Motiv oft vorgegeben.“ Umsetzen muss er es natürlich schon noch. Und da vertrauen ihm seine Auftraggeber. Das sind Privatleute, Geschäfte, aber auch die Mainzer Stadtwerke, für die er Stromkästen verschönert. Ein Projekt, mit dem seine zweite Karriere als Sprüher so richtig Fahrt aufnahm, nachdem seine erste als Opelaner unfreiwillig ausgebremst worden war. Umstrukturierungen im Werk strukturierten auch Leifs Leben um. Nun verwirklicht er, so kitschig es klingen mag, seit drei Jahren seinen Traum.

Akzeptanz von Streetart hat zugenommen
Seine Bilder wirken neben all den vermeintlichen Schmierereien an Häuserwänden, Garagentoren und Fassaden wohltuend. Leif kann nachvollziehen, dass der Allgemeinheit die kaum lesbaren Kürzel ein Dorn im Auge sind, merkt aber an: „Das ist alles ‚Kunst aus der Dose‘, die Intention ist nur komplett anders.“ Diese Tags, Unterschriften, dienten nicht der Schönheit oder der Allgemeinheit, so Leif, sondern seien dem Sprüher selbst oder einer bestimmten Szene gewidmet. Für den 52-Jährigen, der längst nicht alle schön findet, gehört diese Art von Graffiti aber zum Bild einer jeden Stadt.

Er selbst spürt, dass die Akzeptanz für Streetart zugenommen hat. Mittlerweile gibt es in jeder größeren Stadt spezielle Touren, auch in der Mainzer Neustadt. Leif möchte seinen Teil dazu beitragen, dass junge Sprayer, die ihre Dosen eher im Schutze der Dunkelheit einsetzen, die Möglichkeit bekommen, ihrer Passion auch tagsüber und vor allem legal nachzugehen. Dazu braucht es Flächen, die besprüht werden dürfen. In Mainz gebe es diese nun „nach unglaublich langer Zeit auch“, erzählt Leif.

Einen weiteren Beitrag zur Förderung von Sprühe-­Nachwuchs leistet er als Aushilfslehrer in Biebrich. Dort bietet Leif – zusammen mit einer Kunstlehrerin – zehnten Klassen als Wahlpflichtfach Streetart und Graffiti an. Fünf bis zwölf Unterrichtstage ist er dabei, zeigt, wo die Dose ihren Abzug hat und lehrt die Schülerinnen und Schüler auf einer vier mal acht Meter großen Wand das Sprüh-Einmaleins. Ob er seine Wiesbadener Schüler dazu bringt, seine Lieblingsmotive, Mainz-Motive, an die Wand zu zaubern, ist eher fraglich.

Verbindung zum Werk bleibt
Für ihn ist es dagegen eine Herzensangelegenheit, Gutenberg, Dom, Gardisten oder Mainzelmännchen zu malen – so wie beispielsweise in der Kurfürstenstraße/Ecke Hindenburgstraße oder im Langen Hunikelweg. Im Übrigen sein erstes Projekt in der Neustadt, in der er auch mal gewohnt und immer noch viele Freunde hat. Er mache das nicht, damit „Leute mich buchen, sondern weil ich Mainzer bin und meine Stadt mag“. Darauf festgelegt ist er freilich nicht, Motive aus vielen anderen Bereichen sprüht er ebenso gern.

So zurückhaltend Leif wirken mag, so toll findet er es, „Menschen kennenzulernen, die Auftraggeber, aber auch die Leute, die an dir vorbeigehen beim Sprühen und sich mit dir unterhalten.“ Er nehme sich immer die Zeit dafür, so Leif, und verbinde diese Momente dann auch mit dem jeweiligen Werk. Erinnerungen, an denen die Bürgerinnen und Bürger seiner Geburtsstadt langfristig teilhaben dürfen – in Form von gesprühten Bildern und einer Unterschrift, hinter der ein Mensch steckt, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und Mainz damit bunter. „Leiflines“ eben.



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