Seite 5 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Spielplatz-Patenschaften zu vergeben

(ab) Haben Sie gewusst, dass es in Mainz Patenschaften für Spielplätze gibt? Bereits seit 1998 existiert dieses Projekt der Stadt, das vom Amt für Jugend und Familie ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, die Spielmöglichkeiten für Kinder auf Spielplätzen in ihrem Wohnumfeld zu verbessern. Dafür sind Ansprech partner in­ nen und Ansprechpartner gefragt, die vor Ort leben und die Spielplatzsituation kennen. So können sie relativ rasch auf Probleme oder Miss stände reagieren und vermittelnd zwischen Eltern, Kindern und der Stadtverwaltung agieren.

68 Spielplatz-­Patinnen und ­Paten sind der­ zeit im Einsatz, sieben davon in der Neustadt. Einer der ersten, der diese Aufgabe für den Peter­Cornelius­Platz ehrenamtlich übernom­men hat, ist Karl Hermann Matthias. Der über 80­Jährige ist fast seit Anbeginn des Projekts dabei. Was bedeutet eine solche Patenschaft für ihn? Ohne zu zögern erklärt er, dass er es als eine seiner wichtigsten Verpflichtungen ansieht, den Platz sauber zu halten. Früher hat er viel Dreck entsorgen müssen: Kippen, Fla­schen, Dosen, Plastik aller Art. Im Laufe der Jahre habe sich jedoch vieles geändert, bemerkt er. Wenn er heutzutage sonntags morgens von seinem Großelternhaus im Kaiser-­Wilhelm-Ring zum nahe gelegenen Spielplatz geht, fin­det er nur noch wenig Müll verstreut. Denn in der Woche sind hier meist nur Mütter mit klei­nen Kindern. „Der Peter-­Cornelius-­Platz wird heute immer weniger genutzt“, stellt der gebür­tige Neustädter ein bisschen traurig fest. „Das liegt einerseits an dem zunehmenden Verkehrs­lärm der angrenzenden Straßen, aber wohl auch an dem in direkter Nachbarschaft liegenden Goethe­-Spielplatz mit den neuen Wasser­spielen. Die sind natürlich viel attraktiver.“

Vermittlerrolle zwischen Kindern, Eltern und Stadt
Clara Wörsdörfer hat durch ihre Tätigkeit im Ortsbeirat der Neustadt von diesem Projekt erfahren. Die 37­Jährige wohnt in der Adam­-Karrillon-­Straße und ist seit März 2020 neue Patin für den Gartenfeldplatz, für sie einer der schönsten Plätze der Stadt und der Lieblings­spielplatz ihrer vierjährigen Tochter. Dabei kommt sie leicht ins Gespräch mit anderen Eltern und Kindern. „So erfahre ich, wenn etwas kaputt geht, es zu Interessenkonflikten kommt oder jemand Ideen für die Weiterentwicklung des Platzes hat.“ Für die Zukunft hat sie viele Pläne: „In diesem Frühjahr will ich in den umliegenden Geschäften vorbeischauen und mich als Patin und Ansprechpartnerin vor­ stellen, sofern es die Corona­Maßnahmen zulassen. Auch möchte ich gern andere Spiel­ platz­Patinnen und ­Paten kennenlernen und Erfahrungen austauschen.“ Wichtig ist ihr, dass das Projekt in der Neustadt bekannter gemacht wird, wie jetzt beispielsweise über den Mainzer Neustadt-­Anzeiger.

„Ehrenamtliches Engagement ist eine starke Säule, auch in unserem Stadtteil, dies will ich unterstützen“, betont Ortsvorsteher Christoph Hand. „Wir haben hier noch weitere Plätze, die eine Patenschaft brauchen. Dafür möchte ich werben.“ Noch ohne Patinnen oder Paten sind unter anderem die Spielplätze Lessingplatz, Sömmerringplatz und Valencia­platz in der Kreyßigstraße 9.

Wenn Sie Interesse haben und sich für das Wohl der Kinder engagieren möchten, erfahren Sie dazu alles im Internet unter




Der Name zur Straße
Denkmal für einen Fuhrmann aus dem 17. Jahrhundert

(kk) Die Balthasar­-Maler-­Gasse verbindet die Heidelbergerfaßgasse mit der Schießgarten­ straße und verläuft parallel zur Großen und Mittleren Bleiche. Genauer gesagt: Sie zieht die einzige, wenn auch kurze Linie zwischen diesen beiden Straßen und durchschneidet damit eines der sonst so gleichmäßigen Häuser­quadrate des Bleichenviertels. Dieses „Allein­ stellungsmerkmal“ hat der kleinen Gasse seit ihrem Bestehen eine gewisse Aufmerksamkeit eingebracht. Über ihren Namensgeber ist jedoch nur schwer etwas herauszufinden – und nur sehr wenig.

Grundsteinlegung für ein Haus und eine Straße
Das Mainzer Stadtarchiv half weiter. Danach ist der Namenspatron der Straße der Mainzer Fuhrmann Balthasar Maler, ein sogenannter „Kärcher“. Er baute um das Jahr 1687 das erste Haus in der späteren Gasse – und damit eines der frühen Häuser im damals entstehenden Bleichenviertel. Oder wie der Stadtaufnahme genauer zu entnehmen ist „ein new gebawt hauß darneben sambt hoff, stallung und bron­nen aigen Balthasar Mahlern Kärcher“. Da besitzt der Nachname des Mainzer Fuhrmanns noch ein „h“.

Die Beschreibung des Gebäudes klingt nach einem regelrechten Anwesen, auch die Kosten lassen darauf schließen. 400 Gulden war dem Fuhrmann der Bau wert, geschätzte 40.000 Euro heute – wenn man noch nicht ein­mal von Gold­, sondern „nur“ von Silbergulden ausgeht. Da war es wohl naheliegend, die Gasse nach dem Mann zu benennen, der prak­tisch ihren Grundstein gelegt hatte – und damit bis heute einem einfachen Fuhrmann ein Denkmal zu setzen.

Geschichte einer kleinen Gasse
Um 1755 hieß die Straße Balthasar Mahler Gässge, etwas später Balthasar Mahler Gaß und um 1781 sogar Am Balsermalergässgen. Um 1800 wurde die „Gaß“ als Rue du Balser Mahler Französisch, ähnlich wie andere Main­zer Straßen in dieser Zeit. Im Sprachgebrauch war auch die Balzermalergaß. Balzer war eine Art Namenskürzel für Balthasar, geläufig im Mainzer und südhessischen Raum.

Die Fuhrleute des 17. Jahrhunderts, also vermutlich auch Balthasar Maler, transportier­ten Waren und Menschen. Sie waren gesetzlich dafür verantwortlich, dass beide unversehrt am jeweiligen Ziel ankamen. Geläufiges Transport­ mittel war ein sogenanntes Fuhrwerk, meist ein Pferde­ oder Ochsenkarren. Von Karren leitet sich wohl auch Kärcher oder Karcher ab, eine andere Bezeichnung für Fuhrmänner. Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass heute ein großes Parkhaus für moderne Fuhrwerke in der Straße steht, die nach einem Fuhrmann aus dem 17. Jahrhundert benannt ist. Und nicht nur das: Dort befindet sich auch der Balthasar-­Maler-Platz.



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