Seite 6 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

Direkt zum Seiteninhalt
Ausgezeichnete Mainzer Buchhandlung
Erlesenes und Büchergilde“ erhält Deutschen Buchhandlungspreis



(mc) Große Ehre für „Erlesenes und Büchergilde“: Die Buchhandlung in der Neubrunnenstraße gehört zu den drei besten Buchhandlungen in Rheinland-Pfalz. Bei einer Rekordbeteiligung von insgesamt 480 Bewerbungen für den Deutschen Buchhandlungspreis 2023 wurde „Erlesenes und Büchergilde“ bereits zum vierten Mal für herausragende Leistungen geehrt. Die feierliche Preisverleihung durch Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) fand im Oktober im Stuttgarter Schloss statt.

Der Deutsche Buchhandlungspreis zeichnet inhabergeführte Buchhandlungen aus, die ein literarisches Sortiment oder kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, innovative Geschäftsmodelle verfolgen oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren.

Wohlfühlort mit Atmosphäre
Stolz berichtet Inhaberin Silke Müller, was ihr Geschäft so besonders macht: „Wir stellen den Anspruch an uns selbst, mehr als ein Ort des Buchkaufs zu sein“, sagt die 50-Jährige und fügt an: „Das Team möchte hier einen Wohlfühlort gestalten, an dem Menschen dem Alltag entfliehen können.“ Durch ein breitgefächertes Veranstaltungsangebot entstehe eine lebendige Verbindung zu „ihren Menschen“, wie Müller ihre Kund:innen liebevoll nennt.

Neben Autorenlesungen, Teilnahmen an Messen, der Bücherbande und etlichen weiteren Angeboten, bietet „Erlesenes und Büchergilde“ auch ein, in Mainzer Buchhandlungen seltenes, Praktikums- und Ausbildungsprogramm an. Die Nachwuchsförderung im Team soll nicht nur eine lehrreiche Atmosphäre schaffen, sondern auch den Austausch von frischen Ideen und Perspektiven fördern.

Enge Bindung zu „ihren“ Menschen
Müller ist stolz auf die enge Bindung, die das Team zu „seinen“ Menschen aufgebaut hat. Sie berichtet von Spendenaktionen an Kriegsbetroffene, die durch die Buchhandlung organisiert wurden und das wundervolle Gefühl, das die überwältigende Anteilnahme in ihr auslöste.

Mit einem Blick in die Zukunft beabsichtigt „Erlesenes und Büchergilde“, sich im kommenden Jahr erneut um die Auszeichnung zu bewerben. Die Westerwälderin nimmt den, durchaus aufwändigen, Bewerbungsprozess als Anlass für sich und ihr Team, auf das Jahr zurückzublicken, neue Ideen zu entwickeln und vergangene Aktionen zu reflektieren sowie das eigene Profil zu schärfen. Sie beschreibt die Branche als befruchtend-freundliches und nicht kompetitives Miteinander. Der Buchhandlungspreis befördere den Austausch von Buchhandlungen aus ganz Deutschland, so Müller.

Neue Stühle für die Gemütlichkeit
Nach dem Besuch der Preisverleihung hat das Team stets viele Ideen für neue Aktionen im Gepäck, um die Buchhandlung noch ein Stück besser zu machen. Mit leeren Händen kommen sie also nie zurück nach Mainz. Eine Auszeichnung und ein Preisgeld in Höhe von 8.000 Euro gestalten die Rückreise, wie in diesem Jahr, natürlich noch etwas schöner.

Das Preisgeld möchte Silke Müller zur Finanzierung des Veranstaltungsprogramms nutzen. Auch neue Stühle könnte ihr ausgezeichnetes Geschäft vertragen, damit es im „Erlesenes und Büchergilde“ für buchbegeisterte Kund:innen noch gemütlicher wird.
Lust auf gemeinsam Kirche sein
Die neue Pfarrerin in der Neustadt

(rs) Inga Kreusch ist die neue Pfarrerin der Evangelischen Pauluskirchengemeinde. Seit ihrer Ordination im Sommer, die bei strahlendem Sonnenschein im Kirchgarten gefeiert wurde, fühlt sie sich in der Neustadt-Gemeinde herzlich aufgenommen: „Die Menschen freuen sich, dass ich da bin, und haben Lust auf gemeinsam Kirche sein.“

Die 33-Jährige wuchs in einer christlichen Arztfamilie in Lübeck auf, doch die prägenden Einflüsse, die sie zum Theologiestudium führten, erlebte sie im Alter von 16 Jahren beim ökumenischen Jugendtreffen in Taizé. Sie war begeistert von der Gemeinschaft mit den Brüdern und den anderen Jugendlichen, die sich alle mit den großen Sinnfragen beschäftigten. „Das friedliche Miteinander verschiedenster Kulturen und Sprachen, aber auch Momente der Selbstreflexion in Stille und Gebet, das hat mich gepackt!“ In Taizé habe sie die Erfahrung gemacht, „dass Gott da ist“ und fand Antwort auf die Frage, was im Leben Halt gibt.

Ihr Studium absolvierte sie in Marburg, Berlin und Hamburg, wollte möglichst viele verschiedene Perspektiven und Schwerpunkte von Gemeindearbeit kennenlernen. Ihre erste Taufe durfte sie während ihres Vikariats in der Mainzer Christuskirche leiten; anschließend wollte sie unbedingt in Mainz bleiben. Sie ist begeistert von der Offenheit der Menschen hier: „In der Straußwirtschaft setzt man sich einfach zu fremden Leuten an den Tisch und kommt ins Gespräch. Die Mainzer:innen machen es einem einfach anzukommen.“

Auch in der Neustadt, wo Gegensätze besonders stark aufeinander prallen, spürt sie diese Offenheit. „Ich will für die Menschen da sein.“ Sie möchte zuhören, für unterschiedlichste Fragen und Bedürfnisse da sein, und Gläubige stärker vernetzen. Dabei wünscht sie sich, mit möglichst vielen Gruppen, Initiativen und Vereinen ins Gespräch zu kommen. „Gemeinsam können wir viel mehr auf die Beine stellen.“ Das habe man an den gelungenen 150-Jahr-Feierlichkeiten gut sehen können.

Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten
Die Paulusgemeinde hat etwa 1700 Gemeindemitglieder im Gebiet zwischen Illstraße und Mombacher Straße. Direkt neben der Kirche befindet sich das angeschlossene „Kinderhaus“ mit 60 Kita-Plätzen. Mit den „Kinderhaus“- Kindern zu singen oder zu basteln macht Inga Kreusch besonderen Spaß. Insgesamt liebt sie an ihrem Beruf, „dass ich Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten darf, von ganz tollen Momenten wie Geburt oder Hochzeit bis hin zu den sehr schwierigen wie Tod und Trauer. Ich möchte mit den Menschen gemeinsam schauen, was sie gerade brauchen.“

Derzeit baut sie den Seniorennachmittag wieder auf, neben Kaffee und Kuchen gibt es hier wechselnde Angebote wie Singen oder Bewegung. Am 3. Advent lud die Gemeinde zum Adventsbasar ein und am zweiten Weihnachtsfeiertag zum Singe-Gottesdienst. „Um die Rituale, die wir haben, persönlich zu machen, dafür bin ich Pfarrerin geworden.“ Wer mit einer Seelsorgerin sprechen möchte, kann sich direkt an Inga Kreusch wenden.

Wie die meisten Kirchengemeinden in Deutschland, so ist auch die Paulusgemeinde von sinkenden Mitgliederzahlen und Nachwuchs sorgen betroffen. Während das Christentum weltweit wachse, hätten hierzulande viele Menschen den Bezug zur Kirche verloren, so Inga Kreusch. Wenn sich die Gemeinden der Pauluskirche, Christuskirche, Altmünsterkirche und der Kirche St. Johannes in Zukunft zusammenschließen, erhofft sich Inga Kreusch auch davon neue Impulse. Bereits jetzt laden Paulusgemeinde und Chris tuskirche einmal im Monat gemeinsam zur „Familienkirche“ ein, zu der zwischen 70 und 100 Menschen kommen.

„Wo der Geist Gottes ist, ist Freiheit“ lautet der Bibelvers, den sie bei der Ordination bekam. In Inga Reuschs Augen ist der Geist Gottes „überall da, wo wir Glaube, Hoffnung, Liebe leben und gemeinsam danach suchen, was uns trägt.“  


Zurück zum Seiteninhalt