Seite 6 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Gemütliches Neustadt-Nest überzeugt Jury
Gründerin erhält Preis für Café-Bar-Konzept



(lb) Samstagmorgen kurz vor zehn: Mehrere Menschen stehen draußen und warten, bis „Das Nest“ seine Türen öffnet. Der große Gastraum ist besonders am Wochenende immer gut gefüllt, das Lokal am Kaiser-Wilhelm-Ring ist beliebt. Tagsüber ist es ein gemütliches Café, abends eine lauschige Bar. Und mit ihrem Konzept kommt Gründerin Anne Specht nicht nur bei den Gästen gut an, sie überzeugte auch die Fachjury des Gründerinnenpreises Rheinland-Pfalz 2023 und gewann in der Kategorie „Jungunternehmerin (3 bis 5 Jahre am Markt)“.  

Vom Traum zur Realität
Anne Specht ist eigentlich studierte Kunsthistorikerin, arbeitete aber schon mit 16 neben der Schule im Gastgewerbe. Nach dem Studium war sie selbstständig im Kunstbereich tätig, doch die Idee, ein eigenes Café zu eröffnen, hatte sie schon früh. „Aber ich wollte, dass das reift. Es sollte kein romantischer Gedanke sein, so: ich hab’ Bock auf ein Café, ich mach’ das jetzt mal“, erklärt Specht. „Wie bei jeder anderen Unternehmensgründung sollte man sich bewusst machen, wie viel Arbeit dahintersteckt.“ So entwickelte sie ihr Konzept, das den Bezug von möglichst vielen regionalen Produkten vorsieht, und suchte nach einer passenden Location. „Das ist in Mainz nicht einfach. Aber ich erhielt verschiedene Angebote und dann – ich glaube, es war im Dezember 2018 – kam die Möglichkeit unsere jetzigen Räumlichkeiten zu beziehen auf mich zu.“ Planung und Umbauphase seien 2019 erfolgt, so dass „Das Nest“ am Valentinstag 2020 eröffnen konnte, knapp vier Wochen vor dem ersten Corona-Lockdown. In dieser Zeit habe das junge Lokal schnell kreativ werden müssen, da man es noch gar nicht richtig kannte. Obwohl sie es so ursprünglich nicht in ihrem im Konzept vorgesehen hatte, stellte Specht auf Angebote zum Mitnehmen und Lieferservice um.

„Wir haben Social-Media-Aufrufe gemacht, einen Fensterverkauf gestartet oder ein kleines Mittagessen zum Abholen angeboten. Meine Schwester ist mit dem Auto losgefahren und hat in Mainz und Umgebung ausgeliefert. Zu Feiertagen haben wir Pakete zum Vorbestellen zusammengestellt, z. B. Oster- oder Muttertagspakete. So haben wir versucht, uns einen Namen zu machen, damit die Leute uns kennenlernen“, erläutert die Gründerin. Seitdem hat sich ihr Ein-Frau-Unternehmen zu einem beliebten Lokal mit 30 Mitarbeitenden etabliert, das sie mittlerweile gemeinsam mit ihrem Partner Tristan Berude führt. Ihre Angestellten repräsentierten „Das Nest“ nach außen und seien immer für die Gäste da. „Mein Team ist einfach super!“, so Specht. Im vergangenen Sommer eröffneten Berude und Specht übrigens außerdem das „Dieter B. – Abendgeschäft“ in der Leibnizstraße.

Der Preis
Die Jury des Gründerinnenpreises 2023 fand das rundum überzeugend. Die Auszeichnung wird seit 2022 von den Landesministerien für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau sowie für Familie, Frauen, Kultur und Integration in Kooperation mit verschiedenen Verbänden in drei Kategorien verliehen. Insgesamt 27 Unternehmerinnen können dafür von den Kammern und vom Landesfrauenrat nominiert werden. Laut Specht habe sie die Industrie- und Handelskammer (IHK) für den Preis vorgeschlagen, woraufhin sie das mehrstufige Auswahlverfahren durchlief. Gewertet werden dabei die Schwerpunkte Innovationsgehalt, Kreativität, Zukunftsfähigkeit, Nachhaltigkeit, wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung sowie eine einer geschlechtergerechten Arbeitskultur. Das Preisgeld will Anne Specht erstmal sparen. „Jetzt ist der Plan, unseren zweiten Laden publik zu machen, der ist ja mit sechs Monaten noch jung. Wir wollen mit beiden Läden in einen schönen Sommer starten“, freut sich Specht.
Kirschblüten-Feeling in der Neustadt
wo einmal das MA:DORO war

(sl) Irgendwie habe ich das MA:DORO in der Leibnizstraße 34 schon vermisst – und Küchenchef und Inhaber Dominik Römer mit seinem feinen Essen natürlich auch. Ich habe ihn bewundert, wie er als Koch und Wirt (mit einem kleinen Team) fast als Einzelkämpfer acht Jahre lang sein Restaurant mit Bravour geführt hat! Danke, Dominik!  

Beim Bummel durch die Neustadt habe ich dann an dieser Stelle das Restaurant „Kaia“ entdeckt, das auf dem Eingangsschild „Modern Asian Dining“ verspricht. Mein erster Gedanke: „Wer hier ein Restaurant aufmacht, wird große Fußstapfen ausfüllen müssen!“ Und mein zweiter war: Mal ausprobieren, ob „der Neue“ so gut kocht wie Dominik!

Sushi-Latein“ auf der Speisekarte
Der Gastraum empfängt mich mit seinem besonderen Flair. Warmes rötliches Licht mit einer Raumdecke voller gut imitierter Kirschblüten, die ganzjährig an das japanische Kirschblütenfest (Hanami) erinnern sollen. Und w enn man die Speisekarte öffnet, geht es japanisch weiter: mit Sushi-Latein. Als des Japanischen nicht mächtiger Mensch kann ich mir unter „Maki“, „Nigiri“ und „Sashimi“ leider nichts vorstellen, um nur drei von Dutzenden asiatischer Köstlichkeiten zu nennen, die hier auf der Karte stehen. Doch die nette Bedienung konnte mir helfen und erklärte mir geduldig die Unterschiede zwischen den Sushi-Arten. Wie oft am Tag muss sie wohl diese Erklärungen wiederholen? Und wäre es nicht besser, wenn diese Beschreibungen schon in der Speisekarte stünden? Das sagte ich dann auch zur Kellnerin und bat sie, es dem Chef weiterzusagen. Mit Erfolg!

Wer ist der neue Inhaber vom Kaia?
Er heißt Dung Huang und ist vor 32 Jahren in Linz am Rhein geboren. Seine Eltern stammen aus Vietnam und wohnen seit Jahrzehnten in Deutschland. Dung studierte in Köln Jura bis zum ersten Staatsexamen und entdeckte dann seine Liebe zur Gastronomie. „Ich habe im besten Sushi-Restaurant von Rheinland-Pfalz das Sushi-Machen gelernt“, sagt er und berichtet von seinem ersten Asia Restaurant, das er 2021 in Alzey eröffnete. „Es heißt auch Kaia, auf Deutsch ‚Licht‘“, sagt Huang und fügt hinzu: „Wenn ich mal eine kleine Tochter habe, dann will ich sie so nennen“.

Das Restaurant in Alzey lief so gut, dass Huang an ein zweites Lokal dachte und sich auf eine Anzeige meldete, mit der Dominik Römer einen Nachfolger für seine Räumlichkeiten suchte. Unter den vielen Bewerbern wählte er Dung Huang aus, der dann nach etlichen dekorativen Veränderungen am 14. Oktober 2023 sein Lokal eröffnete, das gleich am ersten Abend ausverkauft war!

Modern Asian Dining: Probieren lohnt sich!
Übrigens: Im Internet ist inzwischen eine ausführliche Speisekarte mit allen nötigen Erklärungen zu finden, deren Studium ich jedem empfehle, der Appetit auf ein „modernes asiatisches Essen“ hat. „Und woran merke ich, dass das Essen „modern“ ist?“, will ich wissen. „Wir wollen die Sushis und andere traditionelle Gerichte nicht neu erfinden. Wir wollen sie aber etwas ‚verwestlichen‘, indem wir je nach Gericht ein paar Zutaten und Zubereitungsarten dem europäischen Geschmack anpassen. Das kommt gut an. Außerdem ist etwa die Hälfte all unserer Speisen auf der Karte vegetarisch oder vegan – und das sind nicht nur Sushis!“

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