Seite 6 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Nachfolger (schon wieder) dringend gesucht!
Schmidt Electronic muss weiterleben!

(sl) Günter Schmidt kann ein Lied davon singen, wie schwer es war – und leider immer noch ist – für seinen ganz besonderen Electronic-Laden in der Boppstraße, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Jahrelang bemühte er sich darum, bis endlich im Sommer 2017 das lange Suchen von Erfolg gekrönt schien. Er konnte zunächst Ernst Fröhlich, einen Elektro-Fachmann und leidenschaftlichen Bastler, als Nachfolger gewinnen. Auch finanziell wurde man sich einig und so startete Ernst Fröhlich vor rund drei Jahren voller Elan, immer mit dem Motto: „Nicht verzagen, Fröhlich fragen“. Ernst Fröhlich, sein Name war Programm: „Ernst im Anspruch und fröhlich beim Schaffen!“ Günter Schmidt konnte aufatmen, aber leider nicht für lange, denn so ging es weiter:

Ich wollte alles perfekt machen“
Mit unermüdlichem Fleiß, oft noch nachts, lange nach Ladenschluss und am Wochenende hat „der Neue“ das Schmidt’sche Sortiment, neu arrangiert und aussortiert, liebevoll eine Nostalgie-Warenecke eingerichtet und insgesamt den Laden kundenfreundlich umgestaltet. Außerdem gab es Pläne, wie man das Geschäft – auch durch verbesserte Präsenz im Internet, so richtig zum Laufen bringen könnte. An Arbeit hat es Ernst Fröhlich wahrlich nie gemangelt, aber als Einzelkämpfer, der er fast immer war, wuchs sie ihm über den Kopf. Alles hing an ihm: Die Buchhaltung und Büroarbeit, der Außendienst, die Bedienung im Laden, ein großer Teil der Werkstattarbeit und die Organisation des 500 Quadratmeter großen Warenlagers mit Tausenden von Artikeln. „Ich wollte alles perfekt machen und habe mich selbst dabei vergessen,“ sagt Fröhlich. Und Günter Schmidt fügt hinzu: „Ein Geschäft führt man am besten mit einer „Herz Dame“ zu zweit!

Und dann kamen die Baustelle und Corona
Ernst Fröhlich hatte nie Angst vor zuviel Arbeit, aber ihm fehlte die Zeit für seine Familie. Also wechselte er in einen Job mit festen Arbeitszeiten. „Das war nicht leicht für mich, denn Schmidt Electronic war für mich eine Herzenssache!“ sagt er. Nicht zuletzt darum arbeitet er noch immer an zwei Tagen in der Woche für Günter Schmidt. „Wir sind immer Freunde geblieben“, sagt Fröhlich, und: „Dass uns die Baustelle so sehr zusetzen würde – und dann auch noch Corona, das hat ja niemand ahnen können!“

Günter Schmidt lässt sich davon nicht entmutigen: „So ein Geschäft wie dieses gibt es in Mainz und Umgebung kaum ein zweites Mal! Wir haben Kunden, die bringen uns auch von weither ihre Lautsprecher, HiFi-Anlagen und Fernseher zur Reparatur, denn solche Dienstleistungen macht doch kaum noch jemand!“ sagt Schmidt und betont, dass der Nachfolger ein krisensicheres Geschäft bekäme, das schon so vieles überstanden habe, wie die Konkurrenten CONRAD, AMAZON und Ebay, da werde es auch die Baustelle Boppstraße und Corona überleben!

Hoffnung auf die Rente – nach 47 Jahren!
„Meinen Ruhestand hatte ich mir eigentlich ganz anders vorgestellt“, sagt Günter Schmidt, der inzwischen schon 70 Jahre alt ist und seit 1973 sein Traditionsgeschäft führt. Dass er seit November 2019 wieder täglich im Laden stehen würde, war freilich nicht geplant. Auf die Frage, was denn das Wichtigste für die Geschäftsübergabe sei, muss er nicht lange nachdenken: „Da meine Rente recht klein ist, ist ein entsprechender Geldbetrag nötig.“

„Wieviel Geld müsste der Nachfolger denn mitbringen?“ fragt der Neustadt-Anzeiger. „Ein kleines Einfamilienhaus oder das gleiche in Euro, damit es als Rente langt.“ „Und welche Qualifikationen wären für den Nachfolger erforderlich?“ „Er müsste so sein wie der Ernst: freundlich und hilfsbereit, ohne Angst vor Arbeit! Er sollte natürlich auch technisches Verständnis mitbringen und müsste mit einem Lötkolben umgehen können. Für den Werkstattbetrieb, Reparaturen und die Buchhaltung habe ich drei Teilzeit kräfte, das läuft automatisch weiter. Und zur Einarbeitung bleibe ich natürlich auch noch da!“ sagt Günter Schmidt und fügt hinzu: „Ewig kann ich hier den Job auch nicht mehr machen, mein Rücken macht mir Probleme!“ Aber die Neustadt ohne Schmidt Electronic ist einfach undenkbar!

Vielleicht gibt es ja jemanden unter unseren Lesern, die sich vorstellen könnten, das Geschäft in der Boppstraße 62-64 im Sinne von Günter Schmidt weiterzuführen. Er würde sich auf jeden Fall über Angebote freuen. Rufen Sie einfach an unter: 06131 613839 oder schreiben Sie eine Mail: info@schmidt-electronic.de
    
natürlich“ ausgezeichnet
Der Mainzer Bioladen gehört zu den besten in Deutschland



(ab) Zum sechsten Mal ist „natürlich“ in der Neustadt nach einer Leserbefragung der Zeitschrift „Schrot&Korn“ ausgezeichnet worden und zum ersten Mal in gleich drei Kategorien: Preis/Leistung, Obst/Gemüse und Gesamt eindruck. „Wir sind ein Unternehmen mit Geschichte“, berichtet Marktleiter Mirko Krpić.  
„1983 wurde es hier im Viertel von der Familie Deniz als erster echter Bioladen in Mainz gegrü ndet, 1999 von der gemeinnützigen Gesell schaft für Psychosoziale Einrichtungen (gpe) übernommen. 2010 sind wir an unseren heutigen Standort in der Josefsstraße 65 mit einer deutlich größeren Fläche umgezogen. Von anfangs weniger als zehn Kolleginnen und Kollegen sind wir inzwischen auf fast 30 Mitarbeitende angewachsen.“

Der größere Laden bietet auch mehr Möglichkeiten für Sonderaktionen. „Wir sind groß genug, um unserer Kundschaft große Aktionen anzubieten, und doch klein genug für maximale Individualität bei unseren exklusiven Angeboten“, erklärt Mirko Krpić. So eröffnet sich besonders beim Thema Verkostung ein größerer Spielraum für die Direkt-Lieferanten, ihr Publikum anzusprechen. „Wir sind eine wichtige Plattform für regionale Zulieferer, und unsere Kundschaft weiß das zu schätzen.“
Gewinner der Herzen
An der Leserbefragung hatten sich bundesweit etwa 52.000 Kundinnen und Kunden beteiligt. 2.648 Läden wurden bewertet, 172 davon erhielten eine Auszeichnung. Mit Recht sind Mirko Krpić und sein Marktleiter-Kollege Thomas Meier darauf stolz. Der Erfolg kommt jedoch nicht von ungefähr. „Wir haben unsere damaligen Stärken professionalisiert: Service-Know-how, Freundlichkeit, Beratungskompetenz.“ Das Team, in dem 50 Prozent der Men schen mit Beeinträchtigungen arbeiten, hat sich in all den Jahren immer mehr aufeinander eingespielt. „Menschen wachsen an ihren Aufgaben und dem Vertrauen in sie“, sagt Mirko Krpić. „Es macht Freude, umgestalten und mitprägen zu können.“

Begeistert erzählt er von dem, was bei „natürlich“ einzigartig ist. „Wir haben eine eigene Bio-Küche hinzugewonnen und das Bistro ebenso wie die Außenterrasse zum Wohlfühlbereich gemacht. Die Torten von der Domäne Mechthildshausen sind der totale Knaller und unsere Kaffeespezialitäten von maximaler Qualität! Außerdem ist unsere Käsetheke die beste der Stadt.“ Mit einem Lächeln fügt der Marktleiter hinzu: „Früher waren wir die Gewinner der Herzen, aber die Menschen kauften woanders. Heute kaufen sie hier.“

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