Seite 6 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Ein kleines Stück Afghanistan in der Neustadt
Entdecken Sie Bolani und Qabeli!

(sl) Immer wenn ich den Neustadt­-Anzeiger im Viertel verteile, sind Bäckereien mein bevorzugtes Ziel, denn von dort wird unsere Zeitung besonders gern mitgenommen. So bin ich auch schon oft in der afghanischen Bäckerei in der Gartenfeldstraße 10 gewesen und wurde dort immer besonders nett begrüßt. Aber ich bin ehrlich: Gekauft hatte ich dort bis jetzt noch nie etwas – aber das wird sich nun ändern. Denn der Geschmack der Bolani haben mich überzeugt. Der jetzige Inhaber der Bäckerei, Hamidi Mohammad Shafi, schenkte mir näm­lich bei meinem Besuch zum Interview eine Bolani – und die hat mir wirklich wunderbar geschmeckt. Bolani ist ein hauchdünner Pfann­kuchen, der nur dienstags und donnerstags gebacken wird. Man kann ihn in zwei Varianten haben: einmal mit „afghanisch gewürztem“ Spinat und Lauch und einmal mit Kartoffeln und Zwiebeln, wieder sehr gut gewürzt.

Wie kommt man von Kabul nach Mainz?
Hamidi Mohammad Shafi ist übrigens der Bru­der der bisherigen Geschäftsführerin Sarwar Sultan Afghanyar. Über sie berichtete derNeustadt­Anzei ger bereits vor genau vier Jah­ren im April 2017. Hamidi Shafi ist vor 45 Jahren in der Stadt Baglan im Nordosten Afghanistans geboren. Später zog er in die Hauptstadt Kabul, wo er auch seinen Schulabschluss machte und dann zur Armee ging. Er wollte Offizier werden, aber die politi­schen Umstände zwangen ihn 1993 zur Flucht, erst nach Pakistan und dann 2009 nach Deutschland. Über Delmenhorst, wo schon sein Bruder lebte, und Oldenburg kam er 2013 als Asylbewerber nach Mainz, denn hier war schon seine Schwester und hier wollte er bleiben. Er besuchte Deutschkurse, besorgte sich Aufenthalts­ und Arbeitserlaubnis, suchte und fand Beschäftigung beim Housekeeping­ Service eines Hotels – „manchmal bis zu 13 Stunden am Tag!“, sagt er. Als sich seine Schwester beruflich verändern wollte, bean­tragte er einen Gewerbeschein, und übernahm ab dem 1. Januar 2020 als neuer Inhaber die kleine Bäckerei.

Corona und die Folgen
Ein paar Wochen nach der Eröffnung kam die Corona-­Pandemie, unter der auch die afghani­sche Bäckerei sehr gelitten hat. Wochenlang hat er in diesem und dem vergangenen Jahr sein Geschäft geschlossen gehalten, weil es keine Kunden gab. Für ihn bedeutete das Null Einnahmen und mehrere Tausend Euro an Mietschulden, von denen er bis heute noch nicht weiß, wie er sie begleichen kann. Er bekam zwar staatliche Hilfen, aber die reichten bei weitem nicht aus, die großen Verluste aus­ zugleichen. Eine neue Geschäftsidee musste her, und so entschloss er sich zukünftig, nach der Devise „Bestellen und Abholen“ ofenfri­sche Pizza in sieben verschiedenen Varianten anzubieten. Auch die afghanische Spezialität Qabeli, ein Gericht aus Puten fleisch, Reis, Zwiebeln und gebratenen Rosinen und Karotten, will er dann anbieten.

Neue Angebote für neue Kunden
Stolz zeigte mir Hamidi Shafi seine neueste Errungenschaft: zwei professionelle Pizza­ Öfen. Morgens ab 7 Uhr gibt es Brot und Back­waren aller Art, darunter auch die leckeren dunklen Kartoffelbrötchen, die sonst kein Bäcker anbietet, süßes und pikantes Gebäck, vieles davon aus der türkischen Küche. Jeden Morgen ab 6 Uhr ist Hamidi Shafi schon in sei­nem Laden und backt aus den angelieferten Teigrohlingen frische deutsche, türkische und afghanische Köstlichkeiten. Es ist geplant, dass es demnächst von 16.30 Uhr bis 22 Uhr „Pizza und Qabeli to go“ geben soll. Der Inhaber hofft, mit dem neuen Angebot auch neue Kunden zu erreichen und damit einen Stein mehr im Brett zu haben als die Konkurrenz – und die ist groß in der Neustadt.

Er wird weiter kämpfen, denn Hamidi Shafi hat hier eine neue Heimat gefunden. Deutsch­land gefällt ihm. Er mag die Menschen hier und freut sich über seine nette Nachbarn.


Afghanische Bäckerei – Pizza Neustadt
Gartenfeldstr. 10 /
Ecke Adam-Karrillon-Straße, 55118 Mainz

Öffnungszeiten für die Bäckerei
Mo. bis Fr. 7.00 bis 18.00 Uhr
Sa. 8.00 bis 12.00 Uhr

Öffnungszeiten für die Pizzeria
Mo. bis Fr. 11.00 bis 14.00 Uhr und 16.30
bis 22.00 Uhr, Sa. 16.30 bis 22.00 Uhr
Tel. zum Bestellen: 06131 6352542
Ein neuer „Bücherschrank“
Die Bauarbeiten in der Boppstraße gehen voran. Einbauten wie die Installation von Bänken und Mülleimern werden getätigt. Dazu zählt auch ein „Bücherschrank“, über den die Anwohnerinnen und Anwohner in Eigenverantwortung Bücher untereinander austauschen können.



(jf/ab) Baustelleneule Eduard und das Quartier­management der Sozialen Stadt freuen sich sehr: Seit kurzem steht der neue „Bücher­ schrank“ an der gefliesten Hauswand der Bopp­straße 27 / Ecke Josefsstraße 10 (beim „Sparadies“). In Eigenleistung der Schmidt electronic GmbH, die in der Boppstraße beheimatet ist, wurde der ehemalige Telekom­Verteilerkasten umgestaltet und verschönert. Die vor Ort tätige Baufirma STRABAG erneuerte den Sockel und verputzte die kaputte Hauswand.

Die Soziale Stadt, die die Finanzierung über nommen hat, bedankt sich vor allem bei Günter Schmidt und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ohne die dieses Herzens pro­ jekt nicht zustande gekommen wäre. „Viele Stunden Arbeit stecken in solch einer Umge­staltung“, so Johanna Fuchs, Quartiermanagerin der Neustadt. „Das Innenleben musste entfernt, Sichtfenster und Regalböden eingebaut wer­den, und auch ein neuer Anstrich musste her. Jetzt hoffe ich auf eine intensive Nutzung, einen regen Austausch an Lesestoff und die Unterstützung der Nachbarschaft, damit auch dieser Bücherschrank so toll angenommen wird wie die zwei anderen in der Neustadt.“

Ein gelungenes Ergebnis
Neben den „Offenen Bibliotheken“ am Les­singplatz und an der Caponniere haben nun also auch die Anwohnerinnen und Anwohner in und um die Boppstraße kostenfreien Zugriff auf immer neuen Lesestoff. Die „Offenen Bibliotheken“ leben vom Entnehmen und Befüllen ­je reger die Nutzung, desto besser.

„Ich habe übrigens durchweg positive Resonanz zum bereits umgestalteten Teil der Boppstraße erhalten“, berichtet Johanna Fuchs. „Dank gilt hierbei natürlich auch der Baufirma für ihre Arbeit und den Anwohnerinnen und Anwohnern für ihre Akzeptanz.“ Durchhalte­vermögen wünscht die Quartiermanagerin nun auch denjenigen Gewerbetreibenden, die momen­tan von der aktiven Baustelle betroffen sind.





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