Seite 6 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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„Vater der Neustadt“ Eduard Kreyßig
Der letzte Stadtbaumeister prägt Mainz bis heute



(kk) Der für die Architektur der Stadt Mainz maßgebliche und letzte Stadtbaumeister seiner Art, Eduard Wilhelm Christian Kreyßig, kam am 30. August 1830 im hessischen Eichelsachsen auf die Welt und starb am 11. März 1897. Sein Grab befindet sich auf dem Mainzer Hauptfriedhof. Zu dem städtebaulichen Erbe, das er hinterließ, gehört die Erweiterung der Mainzer Stadtgrenzen um das Gebiet der heutigen Neustadt. Aber auch sein Hauptwerk, die Christuskirche, hat die Stadt ihm zu verdanken sowie den Zoll- und Binnenhafen, den modernsten seiner Zeit. Kreyßig wurde für seine Verdienste schon zu Lebzeiten unter anderem mit dem Ritterkreuz 1. Klasse und postum mit einem Denkmal auf der Mainzer Kaiserstraße geehrt, das er selbst konzipiert hatte.

Inspiriert von Paris
Dass er einmal hoch angesehen und dekoriert werden würde für seine Verdienste als Stadtarchitekt, war zu Beginn seiner Karriere nicht unbedingt vorauszusehen. Denn bei der Prüfung für das Kreisbaumeisteramt vor der Darmstädter Oberbaudirektion schnitt der junge Kreyßig 1852 beim ersten Anlauf nur mit mangelhaft ab und musste im Jahr darauf noch einmal antreten. Es folgten Erfahrungen im Bereich des Tief- und Eisenbahnbaus sowie der Flussregulierung. Der junge Baumeister bildete sich in Ornamentik fort und ließ sich bei der Weltausstellung 1867 in Paris von dem städtebaulichen Werk George-Eugène Haussmanns, der die französische Hauptstadt umgestaltet hatte, beeindrucken und beeinflussen.

Zu dieser Zeit entwarf der weitsichtige Stadt baumeister sein erstes Konzept für das Gebiet des „Gartenfelds“, der heutigen Neustadt. Denn bereits 1864 war er als neuer Stadtbaumeister nach Mainz gekommen, wo er die Verantwortung für neue Bauten und Straßen, für die Häfen, Friedhöfe und Gärten, für Feuerwehr und Straßenbeleuchtung sowie die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser übernahm. Er war der letzte Stadtbaumeister dieser Art mit dieser Fülle an Aufgaben. Nach ihm wurden diese auf vier Ämter verteilt: einem Hochbau- und einem Tiefbauamt, einem Amt für Baupolizei und einem für Maschinenwesen.



Aus dem Gartenfeld wird die Neustadt
Er trat sein Amt zunächst für eine Probezeit von fünf Jahren an und präsentierte schon nach drei Jahren sein Bebauungskonzept für die zukünftige Neustadt. Seine Pläne stießen jedoch nicht sofort auf Gegenliebe in Mainz und bei der Festungsverwaltung in Berlin. Denn Kreyßig wollte das Stadtgebiet dadurch ausdehnen, die nordwestlichen Festungswälle zu verlegen. Schließlich wuchs im Zuge der Industrialisierung die Bevölkerung rasant: In Mainz lebten 1870 dreimal so viele Menschen wie in Frankfurt oder Berlin. Erst als Mainz nach dem deutsch-französischen Krieg als Grenzstadt militärisch nicht mehr bedeutsam war, konnte der visionäre Stadtbaumeister 1872 mit der Umsetzung der bis dato größten Stadterweiterung Europas beginnen, die bis heute das Gesicht von Mainz prägt.

Die Neustadt entstand auf dem ehemaligen Gartenfeld, mit ihren vielen Plätzen, der Hindenburg- und der Kaiserstraße mit Christuskirche sowie dem Hauptbahnhof und dem Hafengebiet inklusive einer Uferpromenade und der Eisenbahnbrücke nach Wiesbaden. Nicht alles konnte Kreyßig zu seinen Lebzeiten noch bis zur Vollendung begleiten, wie zum Beispiel den Bau der Christuskirche. Sie wurde erst 1903 fertiggestellt mit einer Kuppel, die an den Petersdom in Rom erinnern soll, als eine Art Gegenpol zum Dom. Sie sowie wenige der gründerzeitlichen Wohngebäude haben den Zweiten Weltkrieg überlebt in dem sonst schwer zerstörten Mainz.

Ehrungen und Würdigungen von 1900 bis heute
Die große Wertschätzung bereits zu Lebzeiten wurde deutlich, als 1896 in der Stadthalle Kreyßigs silbernes Dienstjubiläum gefeiert wurde und er als Geheimer Baurat bei vollen Bezügen (eine Seltenheit!) in Frührente gehen

Der Name zur Straße
Helmut Graf von Moltke
Weitgereister Militärstratege und Mitbegründer des Deutschen Kaiserreichs

(kk) Die Moltkestraße führt von der Goethestraße zum Bismarckplatz. Benannt wurde sie nach dem preußischen General-Feldmarschall Helmut Graf von Moltke, der 1800 in Parchim zur Welt kam und 1891 in Berlin starb. Er erlangte maßgebliche historische Bedeutung als einer der Gründer des vereinten Deutschen Kaiserreichs. Der Mainzer Stadtrat hatte die Benennung der Straße beschlossen, gültig war sie ab dem 20.03.1901.

Beginn einer einflussreichen Militärkarriere
Der Vater sah wohl aufgrund seiner schwierigen wirtschaftlichen Lage die Zukunft seines Sohnes Helmut und seiner beiden Brüder im Militär. Helmut Moltke trat zunächst in den Dienst der dänischen Armee, die ihm jedoch zu klein erschien und wenig Perspektive bot. Deshalb bewarb sich der karrierebewusste junge Mann an der Allgemeinen Kriegsschule, die er 1823 bis 1826 absolvierte.

Nach verschiedenen Posten, auch beim Großen Generalstab, durfte Moltke eine Bildungsreise nach Wien, Athen, Neapel und Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, unternehmen. Prompt wurde er 1835 militärischer Berater des türkischen Sultans bis 1839 und sammelte in dieser Zeit erste Kriegs erfah run gen. Damit hatte er bei seiner Rückkehr in Deutschland den meisten anderen preußischen Offizieren etwas voraus.

Ausgezeichneter Kriegsstratege
Zurück in Deutschland war Moltke unter anderem persönlicher Adjutant des späteren Kaisers Friedrich III. und führte 30 Jahre lang die Geschäfte des Großen Generalstabs der Armee – der Höhepunkt seiner Karriere. Als einer der Ersten erkannte der Militärstratege die Bedeutung der Eisenbahn im Krieg und wirkte maßgeblich daran mit, dass Preußen die Kriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich gewann.

Moltke sah immer die Gefahr eines neuen Kriegs in Europa und seine strategischen Überlegungen flossen denn auch in Planungen und Konzepte im Ersten Weltkrieg mit ein. Militärische Strategien und Armee-Konzepte, die auf ihn zurückgehen, haben bis heute
Gültigkeit, und trugen schon zu Lebzeiten zu seiner Bedeutung bei. 1870 wurde er in den Grafenstand erhoben und ein Jahr später zum
General-Feldmarschall ernannt. Im Zuge der Reichseinigung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Berlin erhoben, gemeinsam mit Otto Fürst von Bismarck. Darüber hinaus wurde Moltke auch Ehrenbürger von Hamburg, Dresden, Bremen, Lübeck und einiger weiterer Städte.

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