Seite 7 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Wir sind ein Familienunternehmen“
Die Neustadt-Band ROCCO STEIN

(ab) Marco Rocco (49), Adriano (16), Annarella Luna (15) und Pino Camillo (10) ‒ ein Vater und seine drei Kinder. Was ist so besonders an ihnen, dass sie hier vorgestellt werden? Die vier machen seit 2019 unter dem Namen „Rocco Stein“ zusammen Musik, da war Pino gerade mal sechs Jahre jung. Keine klassischen Hauskonzerte, sondern echt abgefahrene Songs. Handgemacht, von den Texten über ihre Kompositionen bis zum Cover.

Die erste CD haben sie vor zweieinhalb Jahren in dem schallisolierten (!) Keller ihres Wohnhauses in der Wallaustraße selbst produziert. Marco an der Gitarre ist auch der Leadsänger, Adriano ein Meister in Schlagzeug, Xylophon, Synthesizer und Percussion, Annarella spielt die Klarinette und singt gemeinsam mit Pino im Hintergrund. Ihre zweite CD haben sie im vergangenen Jahr herausgebracht. „Eine wall-au-sound-street-Produktion, yeah!“ steht auf dem Cover. „Wir werben nicht aktiv in den Medien für uns“, erklärt Marco, „die meisten CDs verkaufen sich in der Neustadt durch Mund-zu-Mund-Propaganda.“

„Manch mal tut es einfach gut / alleine zu sein / solo, aber nicht einsam“. Dagegengesetzt sind immer wieder Bilder von einer unmenschlicher werdenden Stadt und der Macht des Marktes, in Liedern wie „Unser Baumhaus ohne Baum/ ist mehr als nur ein Raum im Traum“ oder „Wir werden die Erde von euch erben / und hoffen, das Erbe wird vorher nicht verderben“ und „Jeder ist sich selbst der Fremde“.

Eindrucksvolle Videos
Die Filme, die die Band zu ihren Songs selbst dreht, sind unkonventionell: rätselhaft, phantastisch, surreal, teils im Stil der Stummfilme der 20er Jahre. Abbilder von Wirklichkeit und Traum. Düstere Aufnahmen zu nachdenklich stimmenden Texten. Ungewöhnlich ist ihre Serie „Rocco Stein vs. The Digital World“. Es erstaunt, was die vier in Eigenregie schaffen und uns vor Augen führen. Ihr Erfindungsreichtum scheint unerschöpflich, in der Musik ebenso wie in den Worten und Bildern.

Trotz dieser beeindruckenden Fülle an Songs und Filmen ist Rocco Stein in der Neustadt noch relativ unbekannt. Einzige Verkaufsstelle für ihre CDs ist das „Atelier statt“ (s. Artikel S. 4) in der Feldbergstraße 1. Die Videos veröffentlichen sie auf YouTube. Ihr nächstes Projekt haben sie schon in Vorbereitung: eine Song-Trilogie über Verlust, Abschied und Trauer. „Es ist ein Riss in allen Dingen“, schreiben sie in einem ihrer Songs, aber „nur so kann das Licht uns durchdringen.“


Die Kinder sind unsere Zukunft“
Sepideh Arab in der städtischen Kita Goetheplatz

(ab) „Musik ist mein Leben“, sagt sie, „singen und tanzen. Auch gärtnern und kochen mag ich sehr.“ Ihre Passion jedoch ist die Verbindung von Musik und der Vermittlung der Herkunftssprache bei Kindern und Jugendlichen. „Früher sagte man Muttersprache“, erklärt Sepideh Arab, die als Erzieherin in der Städtischen Kindertagesstätte Goetheplatz arbeitet, „auch wenn es die Vatersprache war.“ Sie arbeitet zusammen mit 24 Erzieherinnen und Erziehern, die multikulturell und alle mehrsprachig sind. Gemeinsam betreuen sie über 80 Kinder aus ungefähr 40 unterschiedlichen Nationen. Schon am Eingang heißen zwei handbeschriebene Tafeln die Kleinen in ihrer jeweiligen Sprache willkommen. Denn das Credo der Kita lautet: „Vielfalt als Chance“. Diesen Grundsatz übernahm Sepideh Arab auch für sich und auf ganz besondere Art bei der musikalischen Bildung der Kinder.

Ein ungewöhnlicher Weg
Sepideh Arab kam vor 25 Jahren mit ihrem kleinen Sohn aus dem Iran nach Mainz. Sie wurde Mitglied im iranischen Elternverein und engagierte sich, nachdem sie vom Bildungsministerium ihre Anerkennung erhalten hatte, als Lehrerin für die persische Sprache. Farsi wurde 2001 in rheinland-pfälzischen Schulen als (damals) Muttersprache offiziell anerkannt. Lange Jahre unterrichtete sie iranische und afghanische Kinder im Schreiben und Lesen, zunächst an der Goethe-Grundschule und nun an der Leibnizschule.

Mit ihrer Leidenschaft für die Musik erkannte sie schnell, wie wichtig und zugleich hilfreich bereits in frühen Lebensjahren auch eine musikalische Bildung ist: „Kinder lernen beim Singen spielerisch die Sprache ‒ und eben auch viel müheloser die Aussprache. Barrieren kennen sie nicht.“ Stolz ist sie darauf, dass ihre Schülerinnen und Schüler in dem von ihr gegründeten Chorunterricht auch klassische hochpersische Musik lernen wollen, die überaus anspruchsvoll ist. Einen Ausspruch von Nietzsche gibt sie ihren Schützlingen oft mit auf den Weg: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“

Kinder brauchen Wurzeln
2012 wurde sie von der Stadt Mainz als Erzieherin in der Kita Goetheplatz angestellt. Den Schwerpunkt legt sie auch hier auf den Gesang und die Musik. Ihre Ideen kommen deshalb so gut bei den Kleinen an, weil sie ungewöhnlich und spannend sind. So übersetzte sie zum Beispiel Kinderlieder wie „Alle meine Entchen“ oder „Bruder Jakob“ ins Persische. Und es erstaunt sie selbst, dass sogar die Kinder, deren Herkunftssprache etwa japanisch oder türkisch ist, richtig mitsingen. In Abstimmung mit dem Team und den Eltern schuf sie folglich einen Singkreis, bei dem inzwischen 80 Kinder aus der Kita und den Schulen begeistert mitmachen. Auch eine Tanzgruppe hat sie ins Leben gerufen.

„Es sind glückliche Momente für mich, mit den Kindern arbeiten zu dürfen und ihnen als Erzieherin Liebe zu geben“, gesteht Sepideh Arab. „Wenn sie Liebe erfahren, prägt das ihr Wesen. Sie werden diese Erfahrung dann später auch weitergeben können.“ Kinder brauchen bei allem Tun Wurzeln, weiß sie. Und so hat sie dafür ‒ auch im übertragenen Sinne ‒ vor vier Jahren in der Kita ein Gartenprojekt ins Leben gerufen, bei dem die Kleinen nach Herzenslust selbst pflanzen und gärtnern dürfen. „Sie haben dabei den Kopf frei für die Natur, sind weg von der digitalen Welt, die zwar Teil unseres Lebens ist, aber eben nicht alles.“ Denn: „Die Kinder sind unsere Zukunft.“

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