Seite 7 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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Die Alternativen zum Fitnessstudio in der Neustadt

(oll) Es ist Sommer und da verbringt man viel lieber die Zeit im Freien als in der stickigen Wohnung. Nur kann auf der Wiese liegen irgend wann langweilig werden, also was tun, wenn man aktiv werden will? Fitnessstudios dürfen nur eine bestimmte Personenzahl einlassen. Gibt es denn überhaupt Alternativen zum Fitnessstudio? Diese Fragen habe ich mir gestellt  und  bin  auf  die  Suche  nach Sportangeboten in der Neustadt gegangen.

Ich bewege mich – mir geht es gut“ am Frauenlobplatz
Jeden Mittwochmorgen von 10 bis 11 Uhr treffen sich ungefähr dreißig Frauen und Männer auf dem Frauenlobplatz. Vorbeilaufende Passanten drehen sich fragend um. Ist das etwa eine Versammlung? Sobald Liane Mattheis ruft: „Es geht los, wir fangen jetzt an!“ und ihre Musikbox anwirft, erübrigen sich alle Fragen. Gegründet wurde die Sportgruppe vor vier Jahren, man lernte sich bei der Schulung zur Bewegungsbegleiterin kennen.  Begonnen haben sie zu dritt: Monika Brantzen, Gudrun Hedtler und Liane Matheis, im letzten Jahr ist Dorothee Grossart dazu gestoßen. Der Fokus liegt auf Sturzprofilaxe, Gleichgewichtsübungen und Mobilisation, aber auch Gehirnjogging und Erinnerungsübungen kommen nicht zu kurz. Die Trainerinnen wechseln sich ab und jede führt durch ihr eigenes Programm. Das Beste daran ist, dass die Übungsleiterinnen ehrenamtlich tätig sind und das Programm deshalb kostenlos anbieten.

Natürlich habe ich nicht nur zugesehen, sondern auch gleich mitgemacht. Die Stimmung war gut und ich wurde mit offenen Armen empfangen. Allerdings hat die Neustadt noch viel mehr im Angebot.  

Mattenmomente – Yoga mit Melanie und Sabrina
Sabrina Christ und Melanie Wieland sind zwei junge Frauen aus der Mainzer Neustadt und Kostheim, die im Januar ihre Aya Yoga Ausbildung beendet haben. Sie bieten verschiedene Yoga-Kurse für Einsteiger, Geübte und Fortgeschrittene an. Da beide noch relativ neu dabei sind, haben sie sich noch nicht bei allem festgelegt und probieren verschiedene Termine und Standorte aus. Derzeit bieten sie Dienstag abends Rückenyoga in Emmelshausen an, donnerstags gibt es Yoga in Mainz-Kastel auf den Rheinwiesen und sonntags kann man über Jitsy Meet mitsporteln.

Ich habe mich für eine Outdoor Stunde im KUZ entschieden. Die Stunde beginnt mit einer kurzen Entspannungssequenz, um zur Ruhe zu kommen. Melanie beschreibt die Übungen genau und geht durch längere Sequenzen zuerst in langsamem Tempo und erklärt jeden Schritt, sodass alle Teilnehmer folgen können. Ich mache Yoga seit Januar und komme gut mit, nach der Stunde fühle ich mich entspannt und gefordert zugleich.

Die Yogastunden bieten Melanie und Sabrina auf Spendenbasis an. Für die Zukunft wollen sie ihr Angebot weiter ausbauen und haben sich in der Neustadt auf die Suche nach einem geeigneten Raum gemacht.

Calisthenics Mainz
Nachdem die letzten beiden Gruppen mehr der Entspannung und Mobilisation gedient hatten, wollte ich noch etwas mehr Aktion in die Sache bringen. Also ging ich zum Calisthenics Gerüst im Goethepark. Dort trainieren die Calisthenics Mainz. Der Sport zeichnet sich durch Übungen mit dem eigenen Körpergewicht aus. „Die meisten Übungen sind abgeguckt von den Turnern, ein bisschen variiert. Die klassischen Grundübungen sind: Liegestütze, Klimmzüge, Kniebeugen und Barrenstütz“ erklärt mir Sophie Michels, die bereits seit 2014 dabei ist.

Ich habe mich entschieden montags um 18.30 Uhr zum Einsteigertraining zu gehen. Wir sind drei Mitstreiter und Sophie erklärt uns zuerst alle Übungen. Dann probieren wir sie aus. Calisthenics ist kein Sport bei dem man feste Abläufe hat, vielmehr trainiert hier jeder für sich oder gemeinsam, man probiert neue Übungen zu meistern und tauscht sich aus. Es ist relativ viel los um uns herum, aber niemand schaut herablassend zu. Obwohl ich kein geborener Calisthenics-Profi bin, hatte ich beim Training viel Spaß.

Montags, dienstags, donnerstags und sonntags ist die Gruppe meist zwischen 18 und 19 Uhr im Goethepark und trainiert. Wer interessiert ist, kann einfach vorbeischauen und mitmachen, denn der Sport ist kostenlos.  

    
Geschichtsträchtiger Platz – bald mit anderem Namen?

(kk) Der Platz, der seit 1933 117er Ehrenhof heißt, verbindet die Kaiserstraße mit der Adam-Karillon-Straße. Seit 1889 liegt das Rabanus-Maurus-Gymnasium an dem vormals nach dem Naturkundler Georg Forster benannten Platz. Das „RaMa“, wie die Mainzer es nennen, ging aus dem Kurfürstlichen Kolleg der Gesellschaft Jesu im Kronbergerhof hervor und ist laut eigenen Angaben mit über 450 Jahren das älteste Gymnasium der Stadt. Nicht von ungefähr bezeichnet Ehrenhof einen Platz, der an einer Seite von einem Schloss oder einem ähnlichen repräsentativen Bau begrenzt wird.

Woher der Name 117er Ehrenhof kommt
Den Namen 117er Ehrenhof erhielt der Platz im Jahr 1933, als dort das Ehrenmal des Infanterieregiments 117 eingeweiht wurde. Richtig heißt es Infanterie-Leib-Regiment „Großherzogin“ (3. Großherzoglich Hessisches) Nr. 117. Es gehörte ursprünglich zur Armee des Großherzogtums Hessen, kam aber nach einer Militärkonvention 1867 unter preußisches Kommando und zur Mainzer Garnison. Nach dem Ende des deutsch-französischen Kriegs 1872 war es 46 Jahre lang meistenteils in Mainz stationiert: zunächst in der Schloss-, dann in der Flachsmarkt- und zum Schluss in der Alice-Kaserne in der Mainzer Neustadt, benannt nach der Großherzogin von Hessen und bei Rhein, deren Namen auch das Regiment trägt. Dieses machte sich übrigens ganz besonders um Mainz verdient während der großen Überschwemmungen im Jahr 1882.

Umbenennung in der Zeit des Nationalsozialismus
Ehrenhof Leibregiment sollte der Platz ursprünglich heißen, was den Nationalsozialisten jedoch zu royalistisch war. Für eine kurze Zeit hieß er Horst-Wessel-Platz, bis man sich schließlich auf 117er Ehrenhof einigte. Die Umbenennung des vormaligen Forster-Platzes geht im Ursprung auf die „Ortsgruppe Mainz der Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Regimentes 117“ zurück, die sich 1930 neben anderen promilitärischen Gruppierungen in Mainz formierte. Ein Jahr danach beschloss die Gruppe den Bau eines Ehrenmals auf dem damaligen Forster-Platz, das dann 1933 von den Nationalsozialisten öffentlichkeitswirksam eingeweiht wurde. Eine gewisse Nähe zum Nationalsozialismus und Antisemitismus demonstrierten einige der Regimentsveteranen bereits bei dem Treffen drei Jahre davor.

Erneute Umbenennung beantragt
1961 wurde auf dem Platz eine weitere Gedenkstätte eingeweiht, die der Opfer beider Weltkriege gewidmet ist. An die Einweihung, die 28 Jahre zuvor dort stattfand, hat dabei niemand erinnert, vermutlich auch nicht an die damalige Umbenennung. Heute gibt es erneut Bestrebungen, den Platz umzubenennen. Im Ortsbeirat der Mainzer Neustadt wurde darüber bereits heftig diskutiert und im Juni 2020 haben dort die Befürworter mehrheitlich für einen entsprechenden Antrag bei der Stadtverwaltung gestimmt. Über diesen muss nun der Stadtrat entscheiden…

Nachruf auf Günter Rocker

(kl) Der Gewerbeverein Mainz-Neustadt und die Redaktion des Mainzer Neustadt-Anzeigers sind traurig über den Tod von Günter Rocker. Er starb am 11. Juni im Alter von 66 Jahren nach schwerer, kurzer Krankheit.

Günter hat sich stets für die Neustadt stark gemacht. Er hat sich als stellvertretender Vorsitzender bei der Rettung des 2011 finanziell schwer angeschlagenen Gewerbevereins engagiert und trieb das Weihnachtsbeleuchtungsprojekt am Frauenlobplatz mit voran. Die Sprach kurse für Flüchtlinge im Caritas-Zentrum Delbrêl unterstützte er finanziell und mit eigenem zeitlichem Einsatz, denn das Erlernen der Sprache sei, wie er sagte, der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Gut zehn Jahre lang beteiligte er sich jährlich an dem Projekt MUMM! (Mainzer Unternehmen machen mit!) – bis zu dessen Auflösung 2017. Dabei opferte er mit Kol le gen jeweils einen Arbeitstag für ein soziales Projekt.

Mit seinem Hausgeräte- und Küchengeschäft „Rocker Service Mainz“ in der Gartenfeldstraße setzte er hohe Standards in der Betreuung von Kunden weit über seinen Stadt teil hinaus. Er war einer der ersten in Deutschland, der die Miete von Hausgeräten anbot und damit vielen Menschen in der Mainzer Neustadt mit einem kleinen Geldbeutel eine Waschmaschine oder einen Geschirrspüler im Haushalt überhaupt erst ermöglichte.

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, der wir die Kraft wünschen, mit diesem Verlust zu leben. Günter bleibt für immer in unserer Erinnerung.


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