Seite 7 - Mainzer Neustadt-Anzeiger

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April 2020
Kilium mit neuer Leitung
Ein Ideenreich für Brigitte Krampulz

(ab) Ob es um ein außergewöhnliches Event geht oder um etwas so Ungewöhnliches wie die „Frisierbar“: Brigitte Krampulz sprudelt vor Ideen. Die neue Inhaberin des Friseursalons Kilium legt nicht nur Wert darauf, ihr meisterliches Können auszuüben. Sie möchte auch in ihrer freien Zeit ihrer Kundschaft Besonderes bieten. So hat sie zum Beispiel Ende Februar die „Frisierbar“ ins Leben gerufen. „An diesen Abenden zeige ich meinen Kundinnen Kniffe, wie sie auch allein mit ihrer Frisur gut zurechtkommen können. Sie lernen dabei unter anderem, die Haare richtig zu föhnen, zu kämmen oder zu tönen. Die Veranstaltung kostet nichts, denn ich finde es einfach schön, meine Erfahrungen weiterzugeben. Außerdem gefällt es mir, mal in anderer Atmosphäre gesellig zusammen zu sein.“

Am 1. Oktober 2019 hatte Kim, seit 2005 Besitzer des Kilium in der Gartenfeldstraße 8, sein Geschäft an Brigitte Krampulz übergeben. Ihm war wichtig, dass es „in der Familie“ bleibt. Für sie war es die Gelegenheit, sich nach 13 Jahren Mitarbeit selbstständig zu machen. „Wenn dir eine so tolle Gelegenheit geboten wird, musst du zugreifen“, freut sich seine Nachfolgerin. Und so hat sie mit 40 Jahren den Sprung in ein neues Leben gewagt.

Gelebte Nächstenliebe
Einen lang gehegten Herzenswunsch hat sich die neue Inhaberin mit ihrer allerersten Aktion in der Adventszeit erfüllt: Sie wollte Menschen mit geringem Einkommen einen Haarschnitt zu Weihnachten schenken. Dafür nahm sie Kontakt zur Pfarrei St. Stefan und zur „Tafel“ auf und verteilte dort Gutscheine für einen Friseurbesuch. Am 4. Adventssonntag öffnete sie ihren Salon gemeinsam mit ihren beiden Mitarbeiterinnen Tatjana und Vanessa sowie drei befreundeten Friseurinnen und fünf „Elfen“, die die Kundschaft mit Gebäck und Getränken umsorgten. „Unglaublich, dass diese Menschen an einem solchen Tag ihre Freizeit für mich opfern“, sagt eine der Kundinnen voller Dankbarkeit. Eine andere gesteht leise: „Ich habe Familie und zwei Enkel, die ich gern beschenken möchte. Einen Friseurbesuch hätte ich mir nicht mehr leisten können.“ Und eine ältere Frau merkt an: „Mein neuer Schnitt sieht richtig schick aus, so gepflegt. Ich freue mich sehr über dieses unerwartete Geschenk.“

Für die Zukunft wünscht sich Brigitte Krampulz, dass sie ihr Kilium lange halten kann, gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit, und viele ihrer Ideen umsetzen kann. Und dass alle Kundinnen und Kunden mit ihr glücklich und zufrieden sind.

Friseur Kilium
Gartenfeldstraße 8
55118 Mainz

Öffnungszeiten:
Di. bis Fr.: 9.00 bis 18.00 Uhr
Do. bis 20.00 Uhr
Sa.: 9.00 bis 14.00 Uhr
Wie kommt ein Hirsch in die Stadt?
Portrait eines umtriebigen Neustädters

(sb) Sein privates Revier liegt in Eich am See und der Mainzer Neustadt, beruflich von Rüsselsheim aus in der ganzen Welt. Die Rede ist von Thorsten Teuscher, dem Gründer des Brauwerks „Gelber Hirsch“.

Wie alles begann
Der in Frankfurt-Zeilsheim aufgewachsene Teuscher absolviert sein Maschinenbau-Studium in Frankfurt und fängt direkt im Anschluss bei der Adam OPEL AG an, mit der er auch heute nach über 27 Jahren noch beruflich verbunden ist. Nach seiner ersten Station als technischer Sachbearbeiter für Instandhaltung ist er mittlerweile als leitender Manager für den globalen Bereich Energie der Groupe PSA (einem Autokonzern) tätig.

Manager und Brauer in einer Person
Sein Beruf sei sehr stressig, da brauche es einen entsprechend ruhigen Gegenpol in seiner Freizeitgestaltung. „Ich hatte schon immer Interesse am Produkt Bier – und das nicht nur zum Trinken“ erzählt Teuscher schmunzelnd. Der ganze Brauvorgang fasziniert ihn so, dass er vor fünf Jahren mehrere Braukurse besucht und beginnt, selbst Bier herzustellen. „Wenn Du stundenlang die Maische und Würze von Hand umrühren musst, dann hat das schon etwas sehr Entspannendes und Meditatives“ berichtet er von den Anfängen seiner Brauerkarriere.

In seinem „Labor“, wie Teuscher die Brauküche in seinem Ferienhaus in Eich am See scherzhaft nennt, entwickelt er in emsiger Hand arbeit nach und nach verschiedene Rezepturen. Natürlich habe er am Anfang Fehler gemacht, berichtet er, aber schließlich seien doch gute Ergebnisse zustande gekommen. Nachdem die ersten Biere von seinen Freunden verköstigt werden und großen Anklang finden, ist es bis zur Idee, das Selbstgebraute zu vermarkten, nicht mehr weit. Durch die zufällige Bekanntschaft eines Mitarbeiters einer großen Brauerei ist bald klar, dass Teuscher dort als „Gipsy Brewer“ brauen lässt. Er wählt zwei Brauprotokolle aus, deren Geschmacksrichtungen „süffig und nicht anstrengend“ sind sowie bei einer breiten Masse Anklang finden. Schnell ist mit einem benachbarten Werbegrafiker ein Name für die neue Marke gefunden: „Der Hirsch gilt als majestätisch, ehrlich und maskulin, die Farbe Gelb steht für Kommunikation und das Logo soll bewusst etwas trashig ausfallen“, erzählt Teuscher. Er lässt seine Etiketten auf besonders hochwertigem Papier drucken und durch eine Behindertenwerkstätte in Hattersheim auf seine Flaschen kleben. Das bedeute zwar einen großen logistischen Aufwand für ihn, „aber die Jungs und Mädels des Schlockerhofes leisten einfach großartige Arbeit – sie bekleben die Fla schen alle von Hand und so präzise, wie ich es selbst mit einem halbautomatischen Etikettiergerät nicht hinbekommen habe“, lobt Teuscher voller Überzeugung. Er lege viel Wert auf Qua lität und Kreativität, erklärt er. So überlässt er auch beim Bau eines Messestandes nichts dem Zufall. Dieser sei über Nacht entstanden, scherzt er, denn sein fordernder Job ließ – anders als geplant – keine andere Möglichkeit dafür zu. Man merkt ihm an, dass er seine Lei den schaft „Bier brauen“ mit viel Liebe, Hin gabe und Herzblut betreibt. Seine Detail verliebtheit zeigt sich auch beim Merchan dising, wo sich mit Bezeichnungen wie „Schwarze/r Förster/in“ oder „Geweih-Schützer“ stets der Bezug zum namensgebenden Hirsch wiederfindet. Wort spiele wie der „Paar-Bierkorb“ bräuchten bei manchen etwas länger, lacht Teuscher.

Zukunftsaussichten
Mittlerweile hat sich der „Gelbe Hirsch“ einen Namen gemacht und kann in ausgewählten Lokalen wie bei „F. Minthe“ im Zollhafen sowie an einzelnen Verkaufsstellen wie dem „Hofladen Schlockerhof“ in Hattersheim erwor ben werden. „Ich würde gerne noch viel mehr in der Neustadt machen, die Gastro-Szene hier ist so bunt, vielfältig und abwechslungsreich“ gibt Teuscher Einblicke in seine Zukunftspläne. Ideen hat er viele. Sie entstehen in seiner „Ideenwerkstatt“ am Eicher See oder beim Spaziergang mit seinem Hund. In seinem Ferienhaus hält er an Wochenenden zusätzlich eigene Braukurse ab und man kann dort einzigartige Events auf seinem Bierfloß erleben. Außerdem möchte sich Teuscher zum Biersommelier weiterbilden lassen. Es bleibt in jedem Fall in der Entwicklungs- und Erfolgsgeschichte des „Gelben Hirsch“ weiter spannend.

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